Mitschreiben in Echtzeit

Liebe User,

der Netzroman verlässt nicht die virtuelle Welt. Vielmehr repliziert er sich und wird von mir in der berühmten stillen Kammer beendet. Seinen Cyber-Body möchte ich euch zur freien Manipulation überlassen. Ein neues Tool erlaubt euch, direkt im Text zu arbeiten und ihn nach Belieben zu verändern, zu verlängern, zu kürzen, zu überschreiben. Das ist mein Geschenk an euch zum Abschluss dieses großartigen Projekts!

Unten findet ihr das gesamte aktuelle Manuskript, das über die Online-Phase des Projekts hinweg entstanden ist, in einem Fenster. Wenn ihr Lust habt, daran weiterzuschreiben, klickt >>hier. Der Link führt euch zu einem Online-Editor, in dem ihr direkt in den Text reinarbeiten könnt. Eure Änderungen oder eure Fortsetzung erscheint nach einer kurzen Verarbeitungsphase dann auf dieser Seiten in besagtem Fenster.

Viel Spaß!

Dank zum Schluss

Liebe User,

der Netzroman verlässt nicht die virtuelle Welt. Vielmehr repliziert er sich und wird von mir in der berühmten stillen Kammer beendet. Seinen Cyber-Body möchte ich euch zur freien Manipulation überlassen. Ein neues Tool erlaubt euch, direkt im Text zu arbeiten und ihn nach Belieben zu verändern, zu verlängern, zu kürzen, zu überschreiben. Das ist mein Geschenk an euch zum Abschluss dieses großartigen Projekts!

Die Zusammenarbeit und der Austausch mit euch hat mich manchmal gefordert und meistens beglückt! Ganz großen Dank, dass ihr dabei ward – einige von euch von Anfang bis Ende! Schönen Dank auch an das Literaturportal Bayern und den Deutschen Literaturfonds, ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre, an viele BloggerInnen und JournalistInnen, die dazu beigetragen haben, das Projekt bekannt zu machen.

Herzliche Grüße postet

Euer Thomas Lang

Das Tool wird am Freitag, den 7. Juli, freigeschaltet und voraussichtlich bis September geöffnet bleiben.

Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (5)

Jeden Montag das Gleiche in unserer Klasse: Die angesagten Leute von …s Clique schwärmen, auf welchen coolen Partys sie am Wochenende waren, erzählen wer mit wem was hatte, und besprechen anderen neuen Klatsch. Die Unbeliebteren trauern dem nach, was sie angeblich verpassten haben könnten, und die Streber verdrehen die Augen, wie irrational das Verhalten der anderen doch ist. Jeden Montag das Gleiche!

Dann gibt es noch mich. Ich sitze unbeeindruckt in der Klasse und lasse meine Gedanken schweifen. Wie schön das Wochenende doch war, ohne das ganze oberflächliche Getue: Wer ist besser? Wer ist schöner? Wer hat das schon gesehen? Darauf kann ich sehr gerne verzichten. Ich konnte noch nie verstehen, was die Clique so toll an dem ganzen Zeug findet, womit sie den ganzen Tag prahlen.

Der Lehrer steht vorne und versucht – vergebens – die Klasse zu beruhigen, doch das schafft keiner außer …, die Anführerin der Clique. Da diese aber wie immer keine Lust hat, etwas für ihre Zukunft zu lernen, machen wir halt nichts. Mich stört das Nichtstun nicht so sehr wie ihr Einfluss in unserer Klasse. Jeder macht, was sie möchte und wann sie es möchte, nur um einen Funken Anerkennung von ihr zu bekommen. Ich verstehe nicht, warum alle zwanghaft versuchen, ihr zu gefallen. Ok, sie ist schön, dünn, groß, hat lange Beine und ist immer gestylt. Aber nur weil sie ihr gehorchen, bekommen sie nicht ihren Körper. Bei mir hat sie es schon vor langer Zeit aufgeben, mich zu etwas bringen. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass mein dummer Cousin, mit dem ich eigentlich überhaupt nichts zu tun haben möchte, zufällig einer der beliebtesten Jungen der Schule ist. Ich denke, sie befürchtet, dass, wenn sie sich mir gegenüber abschätzig verhält, ich etwas zu ihm sagen würde. Was natürlich vollkommener Blödsinn ist, mich aber vor ihren Sticheleien bewahrt.

Der Lehrer versucht jetzt mit stark gerötetem Kopf, die Klasse endlich unter Kontrolle zu bringen. Ich sehe auf die Uhr und denke mir: „In den fünf Minuten wird er es wohl kaum noch schaffen, die Klasse zu beruhigen und die verlorene Zeit aufzuholen.“

Schon bricht die zweite Stunde an. Eigentlich ist es eine von den gleichen langweiligen nichtstuerischen Stunden, wäre da nicht der neue Geo-Lehrer. Er ist erst seit diesem Schuljahr da, aber jetzt schon der Lieblingslehrer der Schule. Selbst in unserer Klasse schafft er es – aber auch als Einziger –, die Schüler unter Kontrolle zu bringen. Das liegt aber auch nur daran, dass die Anführerin der Clique den Lehrer attraktiv findet und an dem Glauben festhält, dass das jemals etwas werden könnte. Meiner Meinung nach ist das totaler Schwachsinn: Welcher Lehrer riskiert seine berufliche Karriere für eine Schülerin – vor allem für so eine oberflächliche Zicke, die sich nur für sich selber interessiert? Soll sie nur in dem Glauben bleiben, dass sie eine Chance bei ihm hat, denn so machen wir wenigstens ein paar Stunden Unterricht in der Woche. Das sind aber wirklich auch die einzigen Stunden, wo sie sich mustergültig verhält, um ihm zu gefallen. – Vergeblich.

Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (4)

Ein dumpfer Gong ertönt und die Gänge leeren sich. Die Klasse von Elle sammelt sich im Biosaal, ein trister, dreckiger und kahler Raum, an den Wänden hängen überall ausgestopfte Tiere und Poster von ihnen, zu Lebzeiten. Richtig eklig. Denner steht vor dem Pult, versucht vergebens, etwas Ruhe in die Klasse zu bringen. Die Clique übernimmt wie so oft das Kommando und beginnt, die Außenseiter zu mobben. Eine von ihnen ist Elle. Die Gruppe beleidigt das Mädchen, wirft mit angespuckten Papierkügelchen nach ihr. Elle lässt sich das alles gefallen, denn sie möchte irgendwann dazugehören. Jetzt unterbricht Denner das Ganze, er hat genug gesehen. Die Gang ist davon aber wenig beeindruckt, steht auf und verlässt ohne ein Wort zu sagen den Raum. Aufgrund des fehlenden Durchsetzungsvermögens des Lehrers bleibt diese Handlung unbestraft. Sobald die Türe geschlossen wird, dreht Denner so richtig durch, man kann ihn bestimmt über den ganzen Gang hören, er schreit jeden an, alle außer Elle, denn sie ist seine Lieblingsschülerin. Der Lehrer weiß, dass keiner auf ihn sauer sein wird, die Mädchen himmeln ihn total an und die Jungs kommen auch gut mit ihm klar. Also kein Problem.

Zur gleichem Zeit am Weiher, an dem sich die Clique eingefunden hat: Es geht sofort wieder mit den Sticheleien los, gegen Denner, Elle und alles, was sich in ihrem Umfeld befindet. Gegen Denner, weil alle Mädchen auf ihn stehen und er das schamlos ausnutzt (die Mädchen in der Clique übrigens auch). Gegen Elle, weil sie seine Lieblingsschülerin ist und alles tun kann, was sie möchte.

Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (3)

„Und meine neue Jacke ist von Prada“, erzählt Corinna soeben ihrer Clique. Jeden Montagmorgen dasselbe. Ihre Gefolgschaft himmelt sie an. Da sieht man mal wieder, dass Geld doch die Welt regiert. Corinna hat Geld, mehr als genug, und wird in unserer Klasse, sogar in der ganzen Schule beachtet und alle reden über sie. Was sie anhat, wo sie am Wochenende war und, das Wichtigste, mit wem. Wenn sie etwas haben möchte, bekommt sie es auch. Auch wenn ihre Eltern nachhelfen müssen.

Die Streberfraktion hockt schon auf ihren Plätzen und alle sind in ein Buch vertieft. Herr Denner kommt gerade in das Klassenzimmer, das für unsere Klassengröße eigentlich viel zu klein ist. So gut wie niemand beachtet ihn. Die Wenigen, die gemerkt haben, dass er das Klassenzimmer betreten hat, setzten sich auf ihren Platz. Die Streber auf die ersten zwei Reihen verteilt, dahinter die Clique von Corinna und ganz hinten die „coolen“ Kids der Klasse, Klassenclowns und die, die sich herzlich wenig für Schule interessieren.

Da steht er nun in seinem dunkelblauen Adidas-Trainingsanzug, die blonden Haare verwuschelt, als wäre er eben erst aus dem Bett aufgestanden, und wartet, bis die Klasse ruhiger wird – vergebens. „Guten Morgen, Klasse“, sagt er mit sehr lauter Stimme. Nun haben auch die Letzten bemerkt, dass der Lehrer anwesend ist, und werden etwas ruhiger. „Wo sind Tim, Jonas und Marc?“, fragt er, als er in die Runde schaut, um die Anwesenheit zu kontrollieren. „Ich glaube, Jonas und Marc haben verschlafen und Tim kommt später, weil er bei seiner Freundin übernachtet hat.“, antwortet Dominik, der vierte der „Boys“. „Sie wissen schon. Kann dann morgens etwas länger dauern“, fügte er grinsend hinzu. „Das bezweifle ich“, lachte Corinna. – „Ehm ja. Na gut. Wir beginnen mit dem Unterricht. Schlagt bitte eure Bücher auf Seite 58 auf“, fährt Denner fort.