Über den Tod I

Liebe User,

es ist schon eine Weile her, dass ich euch gefragt habe, wie ihr über das Leben nach dem Tod denkt. Eure Antworten haben gezeigt, dass eine traditionelle christliche Jenseitsvorstellung euch eher fremd ist, nicht aber der Wunsch oder der Gedanke, mit den Toten verbunden zu bleiben, sie „irgendwie da“ zu wissen. Dazu könnte eine Veränderung des Zeitbegriffs dienen. Die Toten befänden sich demnach in einer Art „Falte auf der Gegenwart“, wie Anselm schreibt, sie wären „nur in einem anderen Zustand“.

Ein weiterer Gedanke, von l!nda: Die Toten sind nicht tot, so lange man sich an sie erinnert. Die Bilder, die wir von den anderen haben, integrieren sie (wenn auch nicht ihre Körper) in die Gemeinschaft der Lebenden und vervielfältigen sie aufgrund der Pluralität dieser Bilder. Die Toten halten sich demnach in unseren Köpfen auf, in Gegenständen, die wir von ihnen besitzen, oder auch in unseren Genen.

kiki dagegen betont, dass dem Gedanken, es gehe nach dem Tod weiter (in Himmel, Hölle, Nirwana …), etwas Verzweifeltes innewohnt. Jedenfalls berge er die Gefahr, das diesseitige Leben nur auf das auszurichten, was da möglicherweise kommt.

In dem Buch „Die Zukunft des Todes“ (Hg. Thorsten Benkel, Bielefeld 2016) habe ich noch ein paar interessante Gedanken gefunden, die ich von jetzt ab in fragmentarischer Form posten will. Auch die Autoren dieses Buches streifen das Jenseits eher wie einen Hallraum, eine Vorstellung, die man nicht vergessen hat, die aber nicht mehr gilt. Das Jenseits ist für uns gestorben, es ist – im Sinne l!ndas – in Bilder aufgelöst, die wir noch davon haben. Oder vielleicht ist es genau diese „Falte auf der Gegenwart“, von der Anselm spricht.

 

Corinna, das Klischee II

Corinna ist eine Nebenfigur, die mit den Hauptfiguren wohl eher locker verbunden sein wird. Sie geht in dieselbe Klasse wie Elle und wird von allen nur Klischee genannt. Sie ist eher ein Rich Kid – sie besitzt das neueste iPhone und das neueste Samsung, die Klamotten sind mindestens von Abercrombie & Fitch, Michael Kors, Gucci, evtl. auch Prada. Sie darf alles, ewig ausgehen (und dann mit dem Taxi nach Hause fahren), 10 GB Traffic im Monat verbrauchen und so fort. Sie bemerkt nicht, dass die anderen Schüler sich über sie lustig machen bzw. sie steht da drüber. Sie glaubt sogar, etwas Besseres zu sein.

Corinna ist eitel, arrogant, zickig, stur, dreist, auf eine Art auch naiv. Sie benötigt viel Aufmerksamkeit. Corinna mag gern Sex und sie steht dazu. Sie redet gern über die Penislängen verschiedener Jungs. Sie ist hinter Junis her, den sie bis jetzt leider völlig kalt lässt. Das wird sich sicher bald ändern. Wenn andere behaupten, dass Junis schwul wäre, interessiert sie das nicht. Mit ihr bleibt keiner schwul.

Äußerlich gibt sie sich betont weiblich, trägt tief ausgeschnittene Tops, High Heels, Armringe bis fast zum Ellenbogen. Ihr Make-up ist immer perfekt, ihr Parfüm gut wahrnehmbar. Sie hat eindeutig zu viele Haare  irre lang, irre lockig und dicht, immer teuer gefärbt.

> Zur ersten Version von Corinna

VIII Die Blessur (2)

Betse hatte noch Festnetz! Sie kramte es unter ein paar kopierten Aufsätzen hervor. Beim Blick aufs Display zogen sich kurz ihre Brauen zusammen, sie ging aber ran. Hallo, ja, nö, jetzt nicht bitte – das war beinah schon alles, was sie hören ließ, abgesehen von einem recht weich gehauchten Ciao am Schluss. Elle konnte sich leicht ausrechnen, wer da angerufen hatte.

„Wird der Alex so eine gestreifte Hose anziehen?“

„Was für eine Hose?“

„Wie in dem Heft da.“

Sie zeigte es Betse.

„Einen Stresemann? Ich find’s ja schick. Aber so einen Anzug ziehst du nur einmal im Leben an. Bei Alex muss man außerdem froh sein, wenn er nicht in Jeans und T-Shirt zur Hochzeit kommt.“

„Ein Brautkleid zieht man doch auch nur einmal an.“

„Ich bin gar nicht sicher, ob ich ein spezielles Hochzeitskleid tragen will. Vielleicht nehme ich lieber etwas Praktisches.“

„Du sollst einen Zylinder aufsetzen. Aber einen echten, so einen schwarzen!“

Betse lachte und versuchte Elle durch die Haare zu wuscheln. Die warf den Kopf zur Seite.

„Habt ihr Streit? Du hast so gekuckt beim Telefonieren.“

Sie machte es nach.

„Ich weiß gar nicht, ob ich dir das erzählen soll“, seufzte Betse. Dann erzählte sie es.

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VIII Die Blessur (1)

Nie zuvor hatte in Betses Wohnzimmer eine solche Unordnung geherrscht. Der Schreib- und der Esstisch waren gleichermaßen mit Büchern, Zeitschriften und Fotokopien übersät, aus den Stapeln leuchteten bunte Einmerker hervor, vieles lag aufgeschlagen da. Auf dem Bildschirm ihres Notebooks hafteten beschriebene Zettel, die Tastatur war unter einem großen blassgelb und -blauen Polsterumschlag verschwunden, der etwas Größeres enthalten haben musste, denn er bildete eine schiefmäulig offenstehende Höhle, wirkte dabei jedoch, als würde sich in ihm schwerlich anderes finden lassen als dunkle Luft. Elle räumte einen Katalog für Babykleidung von einem Stuhl und setzte sich an den Esstisch.

Nach und nach bemerkte sie die Ordnung im Chaos. Auf der linken Tischseite schien sich alles zu stapeln, was irgendwie mit Babys zu tun hatte. Rechts, auf der Wandseite, lagen die Brautmodenkataloge, die Hochzeitsplaner und Catering-Angebote. Sogar eine handgeschriebene Mindmap war zu sehen. Im Übrigen war alles so ordentlich wie immer. Die vier Stühle standen gerade und im gleichen Abstand vom Tisch, das Chromrohr blitzte wie vor fünf Minuten geputzt. Auf dem mit blauem Velours überzogenen Sofa war keine Kuhle, nicht mal eine Falte zu sehen und die Kissen standen in regelmäßigen Abständen mit dem üblichen Kniff in der Mitte da. Auf der glänzenden Oberfläche des Sideboards lag kein Staub, die Türen waren wie immer alle geschlossen. Und immer noch hing nur ein einziges Bild an den Wänden, abstrakt, farblich und mit dem ebenfalls verchromten Rahmen exakt auf die Möbel, die zartgrauen Wände, den dunklen Laminatboden abgestimmt.

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