Elles Mutter Madlen

Madlen (sprich „Mad-lehn“) ist ein Gegenbild ihrer Tochter. Sie war eher frühreif und ein bisschen wild. Mit achtzehn hat sie Elle bekommen und ist deshalb von der Schule abgegangen. Später hat sie eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau gemacht, ist aber nicht bei ihrem Beruf geblieben, sondern hält sich und Elle mit der Arbeit in einem örtlichen Industriebetrieb über Wasser. Schon während der Schwangerschaft Trennung von Elles Vater, der ganz aus der Geschichte draußen bleibt.

Madlen hat immer mal wieder einen Mann, aber nichts von Dauer. Sie hält ihre Tochter aus diesen Beziehungen raus, hat nie einen Ersatzvater für das Mädchen gesucht. Ihr heimlicher Traum ist es, der Tochter und sich zum 18. Geburtstag eine Neuseelandreise zu schenken, dafür legt sie Geld zurück. Madlen fordert von Elle einerseits viel Unterstützung und Verantwortung für Haushalt und Familie. Andererseits neckt sie Elle, wenn die sich zu Hause verkriecht, nicht dieses „wilde“ Leben führen will, dass die Mutter angeblich hatte. Im Gespräch mit der Tochter ist sie manchmal übergriffig.

Sie verteidigt noch ihre Jugendlichkeit, geht in die Disco oder auf Konzerte, kann bis zum Abwinken feiern. Manchmal raucht sie, leugnet es aber ihrer Tochter gegenüber. Wenn sie sich „jung“ kleidet, ist sie Elle peinlich.

Zu Beginn der Handlung kommt sie auf Krücken aus der Reha zurück, hat einen komplizierten Fußbruch erlitten und fordert noch mehr als sonst Elles Unterstützung ein.

Eine andere Idee zu Elles Mutter findet ihr im Kommentar von passenger zur Figur Elle. – Wie gestaltet sich der Alltag der beiden (oder drei, falls es eine Schwester gibt)? Findet Sie die Schule wichtig, hat sie Pläne für Elle? Unternehmen sie und Elle zusammen etwas? Ist sie eitel? …

>Zur zweiten Version von Madlen

Die Hauptfigur: Elle

Die Hauptfigur der Geschichte stelle ich mir als eine 15- oder 16-jährige Schülerin vor: Elle (eigentlich Ellen, ausgesprochen „El“). Sie wächst ohne (präsenten) Vater auf und hat keine Geschwister oder eine jüngere Schwester. Sie ist keine besonders gute Schülerin, im Unterricht tendiert sie zur Unsichtbarkeit. Äußerlich ist sie leicht auffällig, szenig gekleidet. Haare rosa gefärbt. Klamotten schwarz. Gesicht entsprechend geschminkt. Sie will kein Mainstream-Mädchen sein. Sie hängt mit den schrägeren Jugendlichen der Stadt ab (eher Jungs).

Elle wartet noch auf ihre Menstruation, sie hatte noch nichts mit einem Jungen. Sie schreibt Tagebuch oder postet auf einer Jugendforumsseite versponnene Beiträge.


 

Liebe User,

ab heute fange ich an, Figuren für die Geschichte zu konzipieren. Über die Frage, was eine literarische Figur eigentlich ist, will ich mir hier noch Gedanken machen. Jetzt habe ich euch erst mal Elle vorgestellt.

Welches Bild habt ihr von ihr? Welche Schule besucht sie, welche Musik hört sie? Wie wart ihr in dem Alter drauf, was waren eure Träume und Ängste? All das interessiert mich sehr.

Zu den neuen Kommentaren II

Ein zweiter Strang der Debatte führt bereits stärker in die Fiktion. Es geht um die Figuren, die sich aus dem realen Geschehen hervorzuheben beginnen. Da ist zum einen die „Clique“. Sollte sie aus mehr oder weniger Dropouts bestehen, Kids, die sich von der „Mitte der Gesellschaft“ schon verabschiedet haben. Anke findet das zu holzschnittartig. Man kann die Welt nicht in „Streber und Nichtstreber“ unterteilen. Eine gemischte Gruppe stellt sich auch L!nda vor, unterschiedliche Welten sollten aufeinandertreffen.

Die Frage ist auch, wer den Anstoß geben könnte. Das Wort „Rädelsführer_innen“ taucht auf. Muss es jemand aus einem „normalen“ Milieu sein, um Klischees zu vermeiden? Andere machen vielleicht mit, sie wollen dazu gehören, auch wenn sie das, was sie tun, eigentlich nicht richtig finden. Auch der Kick des Verbotenen könnte eine Rolle spielen.

Schließlich Elle. L!nda sieht sie nicht als Impulsgeberin, eher sollte sie „in die Sache reingezogen“ werden. Das ist eine Intuition. Woraus Figuren entstehen und ob sie mehr als Worte sind, wird uns hier bald beschäftigen.

Zu den neuen Kommentaren I

Die psychologische Seite der Tat beschäftigt die User stark. Gruppendynamik, Rausch, kollektiver Schock, Zugehörigkeitswünsche sind hier in etwa die Schlagworte. Dann die Wut, die extreme Zerstörung eines toten Körpers, wie sie in „“ geschildert wurde. Marla weist darauf hin, dass auch Sachbeschädigung, das Zerstören von Dingen, verstörend wirkend kann. Das unerklärliche Moment darin könnte angstauslösend wirken und die Gewalt so schlimmer erscheinen lassen. Ekel vor der Tat, der Tod als gesellschaftliches Tabu könnten zu den extremen Abwehrreaktionen beitragen.

Der Tote rückt als solcher in den Fokus. Vielleicht wurde er nicht mehr als Mensch wahrgenommen, schreibt L!nda, sondern als ekelhaftes Etwas, das die jugendliche Faszination bedingt hat. Anke befasst sich mit den Projektionen auf den Toten. Sie sieht ihn in einem Zwischenstadium, als Mensch noch definierbar über sein Gesicht oder seine Kleidung. Sie stellt sich vor, wie die Jugendlichen sich dem Toten nähern, nicht sicher sind, ob er noch lebt, gleichzeitig schon etwas Ekliges erwarten, „was man am Schuh gerade noch erträgt“. Und da ist noch die Frage nach der Transzendenz: Gibt es eine Seele? Oder vielleicht einen Geist …

Schließlich wieder der gesellschaftliche Aspekt – die Abwehr der eigenen, womöglich naturgegebenen Gewaltbereitschaft, indem man sie auf eine Gruppe, „die Jugendlichen“ schiebt. Auch der Horror vor der absoluten Schwäche und Schutzlosigkeit, die der Tod bedeutet, könnte zur starken Abwehrreaktion beitragen. Der nicht beerdigte Körper ist allem ausgeliefert.

Wann ist einer eigentlich tot II

In einer der hier geposteten Pressemeldungen der Polizei hieß es zum Toten von Traunreut: „Am Dienstag wurde der Tote als der seit 12.02.06 aus Traunreut vermisste Joachim Schulze identifiziert. Aufgrund eines in der Wohnung gefundenen Abschiedsbriefes musste von einem möglichen Suizid ausgegangen werden. Suchaktionen blieben ohne Erfolg. Die Ermittlungen haben ergeben, dass der 49-jährige Mann entsprechend seiner Ankündigung nach intensivem Alkoholgenusses in der unmittelbaren Nähe des Fundortes verstorben und bewusst aus dem Leben geschieden war. Dies dürfte in zeitlicher Nähe mit seinem Verschwinden am 12.02.06 gewesen sein. Zusätzliche Abschiedsbriefe wurden bei der kriminalpolizeilichen Arbeit am Fundort aufgefunden.“

Vielleicht habe ich damals an einer anderen Stelle gelesen, dass es sich um einen Arbeitslosen gehandelt hätte. Jedenfalls hatte ich beim Gedanken an den Toten die Vorstellung von einem Mann, der aus allen Bindungen rausgefallen und alkoholkrank ist. Als ich den Bericht von Felix Speiser las, dachte ich: Wow, dieser lebendig Begrabene ist wie der Mann von Traunreut. Beide haben in ihrer Umwelt keinen anerkannten Platz mehr gefunden. Man hat sie ignoriert, wie tot behandelt. So streifen ja auch Obdachlose durch unsere Straßen, ohne dass wir sie wahrnehmen. (Dazu könnt ihr hier etwas lesen.) Sie haben keine Bedeutung für uns. So stelle ich mir diesen Mann vor. Er geistert durch die kleine Stadt und merkt, dass es keinen Unterschied macht, ob er lebt oder stirbt. Er übernimmt es selbst, sich aus dem Weg zu räumen, verbirgt sich im Wald und lässt sich erfrieren. Wochenlang bleibt er unbeerdigt liegen.