Bitte an die User

Einen Namen für die Stadt

Liebe User,

das Setting für die Geschichte interessiert euch nicht so wie die Figuren. Jedenfalls diskutiert ihr es weniger. Vielleicht fehlt braucht es mehr Angriffsfläche?

Unabhängig davon merke ich, dass ich der fiktiven Stadt der Geschichte gern einen Namen geben würde. Wie könnte sie heißen?

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9 Gedanken zu „Bitte an die User“

  1. 1
    porlock says:

    Das erinnert mich (damals natürlich auf einem literarisch extrem tieferen Level als hier) an die Diskussion die seinerzeit im BR geführt wurde, als es um die furchtbare „Daily“ Dahoam is Dahoam ging. Damals sprachen sich viele dafür aus, dem fiktiven bayrischen Retortendorf keinen Namen zu geben, damit sich mehr Zuschauer damit identifizieren könnten – am Ende wurde bekanntlich der Name Lansing genommen, mit dem nicht falschen Hinweis auf die häufigen „-ing“-Endungen in Bayern.

    Mir persönlich würde es freilich am Besten gefallen, wenn die kleine Stadt eben keinen Namen oder keinen erkennbaren Namen trüge, also entweder nur von der „Stadt“ oder von „W***“ oder gar nur „*“ die Rede wäre. Oder „M“ als Chiffre und Hommage auf den berühmten Film?

    Auch ein Gedanke: ich habe meine Jugend in diversen eher tristen Vororten von München verbracht, wo es damals in den 90ern Mode war, aus den vielen „-brunn“-Endungen in der Jugendsprache ein vermeintlich cooleres „-bronx“ zu machen. Man traf sich also nicht im Pfarrheim Ottobrunn, sondern im „Keller in der Ottobronx“. Andere Dörfer/Vororte wurden zu „Putzbronx“, „Hohenbronx“ und so weiter. Was letztendlich alles recht dämlich klang, aber von den Jugendlichen (auch von mir) bierernst (und oft auch bierselig) verwendet wurde. Bräuchte es von daher nichtzwei Namen – einen, der offiziell ist und einen, wie ihn die Jugendlichen verwenden, wenn sie untereinander sprechen?

  2. 2
    passenger says:

    (Putzbronx macht mich glücklich. Ist das abscheulich!)

    Thomas, soll dein Städtchen denn regional festgelegt sein? Man kann sich natürlich auch einen ganz neutralen Namen suchen oder ihn weglassen (ich hier würde durchaus für Benennung plädieren – die ganzen Entwürfe klingen sehr nach einer konkreten und weitgehend realistischen Geschichte, da wäre mir ein *** oder ‚die Stadt‘ etc. zu artifiziell/exemplarisch), aber Ortsnamen lassen halt sehr oft ahnen, wo man sich befindet. Könnte der Ortsname der einzige Hinweis aufs Bundesland sein? Wieviel Aufwand müsste man treiben, um das Bundesland ganz zu verschleiern, wenn man das möchte (z.B. Schulsystem, vorherrschende Religion (Betse), Dialekt etc.)? Oder willst du gerade einen fest verorteten, aber fiktionalen Ort („Winesburg Ohio“)? Finde ich  interessant.

  3. 3
    Thomas says:

    Eine Stadt mit einem * oder Buchstaben-*-Kombi zu benennen, erinnert (mich) an das 19. Jahrhundert. E.T.A. Hoffmann hat sogar Berlin „B*“ oder „B***“ genannt. Auch wenn viele Leser das heute nicht mehr wissen, glaube ich doch, dass er irgenwie alt wirkt. Buchstabe mit Punkt – „B.“ – könnte nach Anonymisierung aussehen. Deshalb dachte ich an einen fiktiven Namen. In einem meiner Bücher habe ich eine kleine Stadt „Füchten“ genannt.

    Es stimmt, dass viele Namen – gerade die bayerischen auf „ing“ schon eine Region andeuten, das fände ich auch in Ordnung, aber es sollte m.E. nicht so oberspezifisch sein. Es geht ja nicht darum zu erzählen, dass „so etwas“ nur in Oberbayern oder Sachsen oder dem Münsterland passieren kann. Aber regionale Bezüge zu vermeiden, kann auch zwanghaft werden. Der Hinweise auf „Winesburg Ohio“ ist deshalb sehr interessant.

    Sehr gut finde ich die Idee, dass die Jugendlichen einen eigenen Namen für ihre Stadt haben. „Ottobronx“ klingt ziemlich lustig, etwas in der Art könnte gut funktionieren, den Gegensatz aufmachen, der den Jugendlichen selbst klar ist, und dabei ihre Wünsche oder ihr Lebensgefühl antickt.

  4. 4
    Anselm says:

    Ich plädiere stark für einen Namen, nicht für eine Abkürzung. Das macht immer gleich so ein Gewese auf der Metaebene und untergräbt den Reiz der Realitätsfiktion. Deshalb gibt es auch keinen Grunde für große Scheu, Bayern als Region durchscheinen zu lassen. Einserseits weil jeder, der das projekt verfolgt, eh weiß, dass es um Traunreut geht – und eine übermäßige Verfremdung dann sehr künstlich und bemüht wirkt -, andererseits weil ich eben nicht sicher bin, ob man es sich nicht zu einfach macht, wenn man sagt: Das könnte überall passiert sein. Ich finde es zumindest einen Gedanken wert, dass es im besonders reichen, behüteten und etwas konservativ gedeckelten Bayern passiert ist.

    Plädiere also für einen offensiven Umgang mit topografischen Bezügen – und die Sache mit -onx ist natürlich genial.

    Vielleicht: Weinburg?

    • 4.1
      passenger says:

      Weinigen? Weinting? Weinen? : )

      Lachen? Krantz? Falting? Breiten? Ambrunn? Geroldsmoos? Tolling?

      • passenger says:

        übrigens – mal einen heißen Dank an Thomas, da macht echt Spaß hier!

      • Susanne says:

        Aus der Beschreibung der Stadt geht hervor, dass sie nach dem Krieg auf dem Boden einer früheren Munitionsfabrik gebaut wurde. Das hat mich interessiert, und ich habe ein wenig nachgeforscht. Die Kriterien damals für einen geeigneten Standort für den Bau einer Munitionsfabrik waren u.a. dichte, großflächige Waldflächen (zur Tarnung der Muna) und die Abgelegenheit des Geländes. Es durfte keine Großstadt in unmittelbarer Nähe sein. Eine gute Anbindung an Straße und Bahn aber war wichtig. Das alles kann erklären, warum sich genau an dieser Stelle eine Siedlung befindet.

        Nur wenige Jahre nach Ende des Krieges kommen die ersten Leute an diesen gottverlassenen Ort, um hier ein neues Leben aufzubauen, und ich überlege, welchen Namen sie der Siedlung geben würden, vielleicht

        Waldstetten, Buchenried, Tannheim

        ABER: Es gefällt mir sehr gut, wie passenger mit leichter Hand eine Reihe kreativer Namen raushaut! Ist für den Roman vielleicht doch passender.

         

         

        • Thomas says:

          Das sind super Infos, Susanne, danke dafür! Das kann man für die Topografie der Stadt und der Gegend sicher gut verwenden.

          Zu euren Namens-Vorschlägen poste ich noch etwas auf der Blog-Ebene.

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