Blog oder Snapchat

Liebe User,

Elle soll sich tagebuchartig äußern. Ich schwanke noch zwischen zwei Ideen:

a) Sie schreibt ein Blog. Das ist öffentlich oder jedenfalls für eine Community auf einer Plattform sichtbar. Sie zeigt da eine coolere Elle, lässt aber durchaus Sehnsüchte und Konflikte erkennen, Dinge, die ihr wichtig sind. Hier wäre auch wichtig, wie ihre Mitleser reagieren, wie und ob sie einen Eintrag kommentieren etc.

b) Sie schickt sich selbst Messages per Snapchat. Das findet sie toll, weil beim nächsten Öffnen der App immer alles weg ist. Nur so kann sie sowohl vollkommen ehrlich sein als auch den größten Quatsch schreiben. Auch Bilder gehören dazu. Die Selbstdarstellung vor sich selbst kommt mir schon zeitgemäß vor, ich denke u.a. daran, wie der Amokläufer von München sich angeblich mit sich selbst unterhalten habe, vor und womöglich während des Attentats. Es liegt allerdings schon eine verschärfte Form von Einsamkeit darin. Außerdem fragt sich, wie solche verschwindenden Nachrichten im Text repräsentiert sein könnten. Wäre das ähnlich zu sehen wie direkte Rede: aufschreiben, obwohl es transitorisch ist? Oder müsste die Erzählung das irgendwie anders anfangen, wie in einem reaction shot – etwas, das Elles Texte reflektiert …

3 Gedanken zu „Blog oder Snapchat“

  1. 1
    passenger says:

    b ist eine super Idee!!!!!

    (‚verschärfte Einsamkeit‘ … also ich unterhalte mich öfter mal mit mir selber, du nicht?)

  2. 2
    dickeruebe says:

    die Snapchatvariante klingt toll – aber vielleicht müsste man auf die Idee aus der Blogvariante trotzdem nicht verzichten, dass Elle dort eine andere Seite von sich zeigt, eine nachdenklichere etc. So könnte man vielleicht vermeiden, dass es allein als eine Spielart des Narzissmus rüberkommt. Das wäre mir zu wenig.

    Und eine klassische Vermittlung im Text – obwohl transitorisch – erscheint mir immer noch am besten. Wenn es dagegen noch einmal um die Ecke transportiert wird, also über Elles Reflexion o.ä, könnte es etwas zu meta und verschwurbelt werden.

    Eine unaufdringliche Form der literarischen Umsetzung der Flüchtigkeit der Snapchatkommunikation mit sich selbst könnte vielleicht sein, dass die Sätze immer mal wieder kursiv eingestreut werden, ohne groß reflektiert oder erklärt zu werden – sie flattern nur kurz in den Text und verschwinden wieder.

  3. 3

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