Der Tote: Frank II

Frank ist mit etwa dreißig Jahren in die Stadt gezogen. Er scheint keine Familie oder keinen Kontakt zu ihr zu haben. Viele Jahre hat er als Hilfskraft in einer Wäscherei gearbeitet. Dort galt er als Einzelgänger, der kaum redete. Auch die Nachbarn kannten ihn kaum. Er lebt in einer Souterrainwohnung, um nicht zu sagen in einem Keller, in einer der schlechteren Ecken der Stadt. Dort verbrachte er den größten Teil der Zeit allein.

Immer häufiger sah man ihn aber an einem Kiosk mit ein paar Asis trinken. Frank war alkoholkrank. Wegen Trunkenheit verlor er im Jahr vor seinem Tod den Arbeitsplatz. Auch seine einzige vertraute Bezugsperson, die Inhaberin einer kleinen Pension am Ort, starb mit Mitte fünfzig. Wenn Frank betrunken war, konnte er gesprächig werden. Vor allem wiederholte er ständig ein paar Geschichten über die Stadt und die Gegend, in der er früher lebte. Dort war alles anders, ein Meer ein Fluss, eine alte Kirche … etwas in der Art.

Frank hatte ein paar seltsame Gewohnheiten. Er kaufte immer dieselben Lebensmittel ein, nie schein es eine Abwechslung zu geben. Aber er zog beim Einkaufen Stapel von ollen Zetteln aus seinen Taschen, in denen er seine Einkaufliste suchte und sich dabei verwirrte. Er ging immer um alle vier Ecken, bevor er das Haus betrat, in dem er wohnte.

Er war ein schmächtiger, beinah feingliederiger Mann mit schon grauen Haaren und einem etwas unregelmäßigen, kurzen Bart. Niemand hätte ihn für suizidal gehalten. Aber gegen Ende des Winters kaufte er mehrere Flaschen Wodka, schrieb mehrere Abschiedsbriefe und ging während der kältesten Zeit in das Wäldchen hinter den Schrebergärten. Dort trank er so lange weiter, bis er das Bewusstsein verlor. Der tote Körper wurde vom Schnee begraben, der noch in der Nacht zu fallen begann.

Vielleicht kommen die Jugendlichen nach der Tat aus irgendeinem Grund in seine Wohnung oder sie hören etwas darüber. Mindestens Elle interessiert sich im Nachhinein dafür, wer das war, dieser tote Körper – eben doch eine Person. Vielleicht kriegt sie sogar eine Ahnung davon, dass er ein sozial Toter war, den niemand vermisste, als er verschwand etc.

Die Jugendlichen kannten Frank nicht. Vielleicht fällt einem von ihnen ein, dass er diesen Typ früher mal beim Kiosk gesehen hat, das könnte ein wichtiger Moment sein, weil er die Beziehung zur Tat verändert. Ich stelle mir vor, dass Elle und Frank nach der Tat sozusagen miteinander ins Gespräch kommen. Auch deshalb versuche ich, ihn als Figur zu entwickeln.

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Ein Name für die Stadt II

Liebe User,

vielen Dank für die Diskussion über den Namen für unsere Stadt. Ich liste hier noch mal eure Vorschläge auf. Neben der Idee, die Stadt namenlos zu lassen oder mit einem Buchstabenkürzel zu versehen, kamen folgende Vorschläge: Weinburg (wohl angelehnt an Winesburg, Ohio, das Buch von Sherwood Anderson) – davon ausgehend Weiningen, Weinting, Weinen, (da klingt auch Winnenden für mich mit). Des Weiteren Lachen, Krantz, Falting, Breiten, Ambrunn, Geroldsmoos, Tolling.

Außerdem haben wir noch die Vorschläge: Waldstetten, Buchenried, Tannheim. Ich hoffe mal, ich habe keinen übersehen.

Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich glaube, ich würde eher keinen Bezug zu Anderson herstellen, wenn er nicht inhaltlich gegeben ist. Ich habe auch Probleme mit zu sehr sprechenden Namen (egal ob für Orte oder für Personen). Da kämen für mich eher Namen wie Breiten oder Am Brunn infrage.

Die drei letztgenannten Orte, besonders Waldstetten und Tannheim (?? gibt es wahrscheinlich) gehen in eine Richtung, über die ich selbst zuletzt nachgedacht habe. Sie sind nämlich recht neutral und geben außer einer diffusen Assoziation mit Wald nicht viel Bedeutung her. Es könnten künstliche Namen für einen künstlichen Ort sein. Gerade das scheint mir zu unserer Stadt zu passen. Sie ist eine Stadt, der eine Dimension fehlt, Geschichte, ein Fluss, ein Klang. Mein Vorschlag für den Namen der Stadt lautet deshalb:

Ingenhausen

Das sind ganz einfach zwei Endsilben von Ortsnamen, die praktisch überall im deutschen Sprachraum auftauchen. Leerer geht es meines Erachtens kaum. Und gerade das gefällt mir für die unsere Stadt. Was sagt ihr dazu?

Ein Nickname, den die Jugendlichen benutzen, wäre in jedem Fall noch zu finden.

Ein Mädchen aus der Klasse: Corinna, das Klischee

Corinna ist eine Nebenfigur, die mit den Hauptfiguren wohl eher locker verbunden sein wird. Sie geht in dieselbe Klasse wie Elle und wird von allen nur Klischee genannt.

Sie ist ein bisschen Goth, wirkt dabei aber wie ein Abklatsch. Sie hat rosa Haare (total durch) und schwarze Klamotten. Sie fährt Skateboard und denkt, dass wäre cool. Manchmal passen die Klamotten nicht haargenau für das, was sie sein möchte. Oder der Schmuck passt nicht zu den Klamotten, die Haare nicht zum Make-up, die Schuhe nicht zum Gürtel … (Element oder Vans?)

Oder sie ist ein Rich Kid – sie hat alles, das neueste iPhone und das neueste Samsung, die Klamotten mindestens von Abercrombie & Fitch, Michael Kors, Gucci, evtl. auch Prada. Sie darf alles, ewig ausgehen (und dann mit dem Taxi nach Hause fahren), 10 GB Traffic im Monat verbrauchen und so fort. Sie bemerkt nicht, dass die anderen Schüler sich über sie lustig machen bzw. sie steht da drüber. Sie glaubt sogar, etwas Besseres zu sein.

Welche Figur findet ihr besser? Was könnte ihre Funktion in der Geschichte sein, abgesehen vielleicht von ihrer Lustigkeit?

> Zur zweiten Version von Corinna

Die Clique III: Valentin II

Valentin ist gerade noch 13, mindestens eine Klasse unter den anderen. Vielleicht geht er sogar in eine andere Schule, Real- oder Mittelschule? Über einen Verwandten hat er Zugang zu gecrackten Spielen und Konsolen oder Online-Spielen, die erst ab 18 sind.

Er wohnt in einem Dorf ein paar Kilometer weiter und kommt meistens mit dem Rad zur Schule. Die Eltern haben Landwirtschaft, sie arbeiten viel und hart. Valentin soll zu Hause immer mithelfen. Zu spielen oder abzuhängen, wird extrem geringgeschätzt. Er darf keine Games. Seine Geschwister sind schon viel älter, sie leben nicht mehr zu Hause.

Valentin ist ein einfacher und durchschnittlicher Junge, ein Nachzögling mit ein oder zwei wesentlich älteren Geschwistern. Er kommt mit seinen Mitschülern nicht zurecht, aus irgendeinem Grund mögen sie ihn nicht, jedenfalls wird er nie von ihnen nach Hause oder zum Fußball eingeladen. Manche behaupten, er röche nach Bauernhof, aber das stimmt nicht. (Er selbst hat panische Angst, dass es stimmen könnte und benutzt deshalb immer viel und starkes Deo.) Wenn er Leute einlädt, kommen die nicht. Deshalb ist die Clique für ihn extrem wichtig.

In der Clique muss er seinen Platz behaupten, er spielt den Boten und übernimmt Dinge, die den anderen lästig oder auch zu gefährlich sind. Sie nennen ihn „Küken“. Da Elle ihn mehr oder weniger ignoriert, hängt er sich umso mehr an Junis, der seine Anhänglichkeit ausnutzt. Gibt es einen Punkt, an dem Valentin „nein“ sagt?

> Zur ersten Version von Valentin

Die Clique I: Junis II

Junis geht in Elles Klasse, er ist auf jeden Fall schon 16. Der Vater ist Arzt, Kardiologe am Krankenhaus. Die Mutter arbeitet an einer Uni. Junis ist viel allein, der Vater arbeitet immer sehr lange, übernachtet manchmal in der Klinik, und sitzt, wenn er daheim ist, meistens in seinem Arbeitszimmer. Seine Mutter ist drei Tage die Woche an der weit entfernt liegenden Uni. Dementsprechend kann die Clique sich gut bei ihm zu Hause treffen. Manchmal wird ihm das auch zu viel.

Junis hat coole Klamotten und Gadgets, aber nicht übertrieben. Er verbirgt seine Gefühle oder weiß nicht, wie er darüber sprechen kann. Für die Schule macht er gerade so viel, dass er nicht hängen bleibt. Wenn er keine Lust hat, bleibt er zu Hause und kifft. Die Kifferei nimmt allmählich zu, seine Motivation, irgendwie dabei zu bleiben, nimmt ab.

Ich stelle mir vor, dass Junis einen Migrationshintergrund hat (Vater aus dem Nahen Osten etwa), dass er der Sohn eines sehr angepassten Menschen ist. Die Eltern sind in diese kleine Stadt gezogen, weil der Vater die Stelle am Krankenhaus bekommen hat. Vielleicht ist Junis so schluffig drauf, weil sein Vater nicht viel von ihm hält. Außerdem kann er kein Blut sehen, ihm wird sofort flau.

Er hängt oft mit Elle ab; es heißt, die beiden seien ein Paar, das stimmt aber nicht. Beide sind froh, dass sie von dem Verdacht entlastet sind, keine Beziehung zu haben. Es muss eine Ebene geben, auf der sie sich besonders gut verstehen. Vielleicht schauen sie zusammen Filme an. (Junis könnte Horror-Film-Spezialist sein, aber das ist etwas eng gedacht im Hinblick auf das Geschehen – vielleicht schauen sie SF-Filme oder ausschließlich asiatische Filme … ) Ich denke, dass sie schon zusammen in der Grundschule waren, vielleicht sogar im Kindergarten, und sich schon da so eine Gemeinschaft der weniger gemochten ausbildete. Junis beschützt Elle, wenn es nötig ist, sie verteidigt umgekehrt ihn. Neuerdings sind sie sich in manchen Dingen auch rätselhaft. Es gibt besonders bei Junis eine Eifersucht auf alle, die in Elles Nähe kommen.

Außerhalb der Clique hat Junis kaum Kontakte. Er träumt davon, ein ganz anderer Typ zu sein, einer, der große Reportagen macht oder öffentlich auftritt. Er googelt sich manchmal selbst. Möglicherweise plant er eine Rube-Goldberg-Maschine, ist aber zu faul, sie zu bauen oder kommt nicht über die ersten Schritte hinaus. Junis hat es im Kindergarten schon schwer gehabt, Anschluss zu finden. Die Kinder fanden ihn immer seltsam, vielleicht sah er komisch aus, ein bisschen ungelenk und kantig oder schwammig. Er hat es nie verstanden, sich angenehm zu machen. Er ist auch eher der Typ, der es mag, wenn andere sich winden.

Innerhalb der Clique hat Junis eine starke Position. Meistens vertritt er die extremsten Positionen und traut sich auch am meisten, wenn es ums Fehlen, Rauchen, Scheißbauen geht.

> Zur ersten Version von Junis