Über den Tod III – Regeln und Rituale im Umgang

Immer noch in derselben Einleitung zu dem Buch „Die Zukunft des Todes“ befasst sich Benkel mit den Ritualen rund um den Tod. Diese sind für die Lebenden da, sie geben ihnen ein Versprechen: „Was hier errichtet wird am fremden Grab, werden andere an der eigenen Ruhestätte nicht minder engagiert vollziehen.“

Dieser Gedanke ist besonders interessant im Hinblick auf den nicht (oder anti-?) rituellen Umgang unserer Jugendlichen mit dem Leichnam Franks. Benkel selbst formuliert den Umkehrschluss: „Ohne Partizipation an den Regeln und Ritualen und ohne Akzeptanz der sie tragenden moralischen Säulen gibt es für einen selbst keine Chance auf die allgemein verheißene Existenzkontinuität im nach-lebendigen Stadium.“

Was haben die jugendlichen Figuren im Vorhinein mit dem eigenen Tod gemacht? Haben sie ihr Anrecht auf ein eigenes Begräbnis im Grunde verspielt? Das würde gut zu der Idee passen, dass sie beim Wiedersehen zehn Jahre später bei dem Einfall landen, sich im Wald, wo sie Frank einst gefunden haben, mit Alkohol und Drogen an und über den Rand der Existenz zu bringen.

 

Über den Tod II

In seiner Einleitung zu dem Buch „Die Zukunft des Todes“ nennt Thorsten Benkel das „instrumentelle Sich-Abfinden mit dem Tod“ eine „Vernunftlösung“. Diese habe ihren normativen Charakter wieder verloren. Es gebe Anzeichen dafür, dass Leben und Tod wieder als miteinander verschlungen aufgefasst würden. Benkel nennt das eine „Life-Death-Balance“. Die Religion habe kein Monopol mehr auf eine sinnhafte Erklärung des Todes, dennoch erfahre eine „positivistische Sichtweise“ des Todes keine breite Zustimmung.

Weitere Thesen Benkerts ähneln denen, die auf dieser Webseite von euch Usern geäußert werden: Der Tod nimmt nicht den Körper, sondern das Leben weg. – Früher hätte man von Entseelung gesprochen, denke ich. Tote können Elemente der Lebenswelten anderer Menschen sein, ohne selbst über eine Lebenswelt zu verfügen. Es gibt viele „zweite Körper der Toten“, weil die Erinnerung sie in viele „Images“ aufsplittet. – Das allerdings scheint mir auch für die Lebenden zu gelten. Ein wichtiger Unterschied zwischen Lebenden und Toten liegt aber in der Präsenz: die Toten schweigen zu den Bildern, welche die Lebenden von ihnen herstellen, in jedem Fall.

 

Über den Tod I

Liebe User,

es ist schon eine Weile her, dass ich euch gefragt habe, wie ihr über das Leben nach dem Tod denkt. Eure Antworten haben gezeigt, dass eine traditionelle christliche Jenseitsvorstellung euch eher fremd ist, nicht aber der Wunsch oder der Gedanke, mit den Toten verbunden zu bleiben, sie „irgendwie da“ zu wissen. Dazu könnte eine Veränderung des Zeitbegriffs dienen. Die Toten befänden sich demnach in einer Art „Falte auf der Gegenwart“, wie Anselm schreibt, sie wären „nur in einem anderen Zustand“.

Ein weiterer Gedanke, von l!nda: Die Toten sind nicht tot, so lange man sich an sie erinnert. Die Bilder, die wir von den anderen haben, integrieren sie (wenn auch nicht ihre Körper) in die Gemeinschaft der Lebenden und vervielfältigen sie aufgrund der Pluralität dieser Bilder. Die Toten halten sich demnach in unseren Köpfen auf, in Gegenständen, die wir von ihnen besitzen, oder auch in unseren Genen.

kiki dagegen betont, dass dem Gedanken, es gehe nach dem Tod weiter (in Himmel, Hölle, Nirwana …), etwas Verzweifeltes innewohnt. Jedenfalls berge er die Gefahr, das diesseitige Leben nur auf das auszurichten, was da möglicherweise kommt.

In dem Buch „Die Zukunft des Todes“ (Hg. Thorsten Benkel, Bielefeld 2016) habe ich noch ein paar interessante Gedanken gefunden, die ich von jetzt ab in fragmentarischer Form posten will. Auch die Autoren dieses Buches streifen das Jenseits eher wie einen Hallraum, eine Vorstellung, die man nicht vergessen hat, die aber nicht mehr gilt. Das Jenseits ist für uns gestorben, es ist – im Sinne l!ndas – in Bilder aufgelöst, die wir noch davon haben. Oder vielleicht ist es genau diese „Falte auf der Gegenwart“, von der Anselm spricht.

 

Frage zu einer Unterrichtsszene

Liebe User,

allmählich kreisen wir den Abend von Elles Geburtstagsparty ein. Bevor die Feier losgeht, stelle ich mir unter anderem noch eine oder zwei Szenen in der Schule vor, bei der Figuren wie Sophie oder Corinna („das Klischee“) vorkommen. Es könnte ein Gespräch oder eine Situation in Denners Unterricht geben und/oder eine Schulfhofszene. – Habt ihr einen Vorschlag?

Sollte Denner die Klasse vielleicht über sexuelle Orientierung sprechen lassen, weil einer der Jungs ihm hinterhergerufen hat, er wäre schwul? Geht es um den Uhrenraub? Könnte es um den Tod gehen (Bio-Unterricht), oder findet ihr das zu dick? Wie stellt ihr euch eine Unterrichtsstunde vor?