Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (1)

Neben der Joseph-von-Fraunhofer-Realschule in München beteiligt sich noch eine weitere Klasse im Rahmen der Kategorie Spielfigur am Netzroman, die 10e des Luisenburg-Gymnasiums in Wunsiedel. Zur Vorbereitung haben die Schülerinnen und Schüler bereits eigene Versionen der „Nudelszene“ und  der „Schulszene“ erarbeitet.

Es war ein gewöhnlicher und kontrastarmer Morgen, als Elle ihren grauen Betonkomplex alias ihre Wohnsiedlung verließ und sich mit ihren kurzen und dennoch schnellen Beinen auf dem Weg zur Schule machte. Es war belustigend, dass das Haus ihrer Mutter das einzige war, das aufgrund des „Urwald-Gartens“ herausstach und im grauen und ausdruckslosen Wohnviertel nicht unterging.

Elle achtete beim Laufen stets darauf, dass ihre alten Schuhe durch die vielen Wasserpfützen nicht nass wurden, denn es zeigten sich bereits fingergroße Risse in ihren Stiefeln. Durch ihr beständiges Ausweichen und ihre ganzen Überlegungen bemerkte sie mal wieder nicht, dass sie bereits am Ort des Schreckens und der Langweile, besser bekannt als ihre Bildungsanstalt, angekommen war. Selbstverständlich erfreute sich die Jugendliche keineswegs daran, denn wer feiert es schon, dass er die nächsten unerträglichen Stunden auf einem Stuhl festgehalten wird und dabei ab und zu die Arme heben kann? Gewiss keiner.

Dennoch bemühte sich Elle, sich förmlich selbst in das Schulgebäude zu zerren. Das konnte man ihr nicht verübeln, denn der große, graue und bereits verfallende Betonklotz hieß die Schüler wohl kaum willkommen. Nichtsdestotrotz zwang sich die Jugendliche durch die riesige Masse an Schülern, die sich vor dem Schulgebäude angesammelt hatte. Das klappte des Öfteren auch relativ gut, wenn man bedachte, dass Elle aufgrund ihrer Größe klare Vorteile besaß, um sich wie jeden Tag durch die apathische und zombieähnliche Menge zu quetschen. Dabei traf sie auf tobende Kleinkinder, kreischende Mädchengruppen und auch die immer häufig werdenden Möchtegern-„Bad Boys“.

Selbstverständlich konnte nicht verhindert werden, dass Elle dabei das eine oder andere Mal angestoßen und übersehen wurde, doch sie überstand diese morgendliche Schlacht mehr oder weniger unversehrt.

Bevor das junge Mädchen die Tore der Hölle öffnete, richtete sie ihre Kleidung und begutachtete ihr Äußeres noch einmal, dann begab sie sich in die menschenleere Aula. Angesichts des Wetters war dies keine Verwunderung.

Elle machtw sich auf den Weg zum öden, verabscheuten Klassenzimmer und setzte sich als Erstes auf ihren unbequemen Platz. Da es noch relativ früh war, konnte sie die noch herrschende Stille genießen. Es war erstaunlich, wie verfallen dieses Klassenzimmer aussah, denn der alte Putz bröckelte bereits von der Wand ab und die weiße Farbe der Wand war seit geräumiger Zeit nicht mehr zu erkennen. Nachdem die Jugendliche auf dem Stundenplan nachgesehen hatte und bemerkte, dass die Klasse in der ersten Stunde Biologie haben würde, kamen nach und nach die Anderen gleichgültig und interesselos ins Klassenzimmer geschlürft.

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Spielfigur Wunsiedel: Nudelszene

Neben der Joseph-von-Fraunhofer-Realschule in München wird sich in Kürze noch eine weitere Klasse im Rahmen der Kategorie Spielfigur am Netzroman beteiligen, die 10e des Luisenburg-Gymnasiums in Wunsiedel. Zur Vorbereitung haben die Schülerinnen und Schüler bereits eigene Versionen der „Nudelszene“ und  der „Schulszene“ erarbeitet.

Während die alte mürrische Verkäuferin die Tierchen weiterhin der Größe und dem Herkunftsland nach sortierte und der Frage von Junis keine Beachtung schenkte, machte er auf sich aufmerksam, indem der tollpatschige Jugendliche sich beim Benutzen der Nudeln dämlich stellte.

Die Atmosphäre zwischen der Verkäuferin und Junis war längst nicht mehr von der Sympathie und der Euphorie geprägt, stattdessen lag ein Hauch von Wut in der Luft.

Diese Wut wurde von der Alten ausgestrahlt, als sie den Tornado in die Kammer zurückstellte, die Arbeitskleidung wieder herrichtete und sich auf dem Weg machte, um Junis, der bereits am Verzweifeln war, zu helfen.

Dieser stand immer noch teils fragend und teils frustriert vor dem Regal des Schwimmzubehörs.

„Wie alt ist denn deine Schwester?“, fragte die genervte alte Verkäuferin plötzlich.

„Sie wird dieses Jahr sechs und ich soll ihr das Schwimmen beibringen“, teilte Junis ganz locker mit, während er darauf achtete, dass er sich auch ja glaubwürdig anhörte.

Die Verkäuferin betrachtete ihn einen kurzen Moment lang mürrisch und skeptisch, ehe sie eine rosa Nudel, die in etwa so groß wie Junis war, aus dem Regal herausnahm.

Noch bevor die alte Frau ihm die Schwimmnudel überreichen und dann endlich Feierabend machen konnte, bat Junis sie, ob sie ihm möglicherweise demonstrieren könnte, wie man solch eine gewöhnliche Nudel richtig verwendet.

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