Dennis‘ Vater Helmar Andreas

Helmar Andreas ist Steinmetz, aber kein Unternehmer-Typ. Er arbeitet lediglich für einen am Ort ansässigen Steinmetz, der schon mehrere Preise für seine Grabzeichen erhalten hat (einmal sogar den ersten Preis bei einer bundesweiten Ausschreibung). Er hat keinen Ehrgeiz, dagegen eine gewisse Lebensschläue.

Helmar Andreas, der Andi, trinkt gern und zieht des Öfteren einen durch. Er lässt seinen Sohn manchmal mitrauchen und -trinken.

Die Familie stammt aus dem Städtchen, Andi ist mit seiner kleinen Familie aber in eine andere, nicht allzu weit entfernte Gegend gezogen, als Dennis noch klein war. Vielleicht war das ein Emanzipationsversuch, der offizielle Grund hat aber mit den Kindern zu tun. Wegen ihnen konnte die Familie nicht in der alten Wohnung oder im Haus der Großeltern bleiben. Vom Rückzug in die Stadt unserer Geschichte hat Andi profitiert. Er hat leicht wieder Arbeit gefunden und die große Halle ermöglicht es ihm, Kurse für Laien zu geben, die mit Stein arbeiten wollen. Dass er selbst nicht viel kann und im neuen Betrieb meistens nur das Material bewegt oder die Vorarbeiten macht, ist dabei unwesentlich. Der gute Name seines Chefs strahlt auf ihn ab. Dennis kriegt dagegen immer zu hören, die ganze Familie habe nur wegen ihm umziehen müssen und sei dadurch in eine prekäre (oder noch prekärere) Lage geraten. Seine Mutter bildet keinen Gegenpol zu diesen Äußerungen.

Was hält Andi von seinem Sohn? Sieht er, wie er ein bisschen auf die schiefe Bahn gerät und sorgt sich oder bemerkt er das gar nicht und denkt, das sei die übliche Teenagerrebellion und es gibt sich von selbst mit der Zeit? Vielleicht hat er für seinen Sohn genauso wenig Ehrgeiz wie für sich selbst. Rastet er gelegentlich mal richtig aus?

2 Gedanken zu „Dennis‘ Vater Helmar Andreas“

  1. 1
    Hanni Falladaila says:

    Vorstellbar ist, dass Andreas Helmar DDR Vergangenheit hat, seinen Beruf ergriffen hat, weil ihn der vom Arbeitsamt vermittelt wurde, da zum Zeitpunkt seiner Berufswahl gerade Steinmetze gebraucht wurden, vielleicht war eine Stelle vakant sein, Chef suchte gerade Lehrlinge. Er ist noch in einem „Versorgerstaat“  großgeworden  und trauert den guten alten Zeiten hinterher, seine eigene Familie zerbrach nach der Wende, der Vater wurde arbeitslos und begann zu trinken, die Mutter ließ sich scheiden, begann ein neues Leben im  Westen erlernte einen Beruf  und verdiente eigenes Geld. Sie fand sogar einen neuen Lebensabschnittspartner den sie aber nicht heiratete. Andreas Helmar hat ihr das nie verziehen und seine Jugend beim Vater verbracht, von dem er auch das Trinken lernte. Seinen Sohn sieht er als unnützen Esser, den er gezwungenermaßen großziehen und ernähren muß. Dennoch trinkt er gern mit ihm, da ihm das allein trinken  nicht so gefällt und Dennis nicht aus kann, er mag seinen Vater, obwohl er ihn verachtet. Wenn der Vater betrunken ist gibt er sich als bester  Kumpel und enger Vertrauter Dennis, und versucht Dennis über sein Intimleben aus zu horchen. Dennis haßt das.

  2. 2
    Thomas says:

    Diese „Trinkerbeziehung“ von Andreas Helmar zu seinem Sohn ist interessant. Ich würde mich freuen, noch mehr Kommentare dazu zu lesen. Bei der DDR-Vergangenheit frage ich mich, ob sie zur Geschichte etwas beiträgt. Für sich genommen und unter dem Aspekt der „Flüchtlingsstadt“ Vierweg wäre es ein besonderer Aspekt.

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