X Der Fund (3)

Elle blieb kurz der Mund offen stehen, als sie sah, wer sich dem Schuppen näherte. Ausgerechnet das Klischee! Die macht doch ihre eigene Party! In ihrem Gefolge gingen Leon und zwei weitere Jungs. War einer von denen Holger? Elle hätte ihre linke Hand gegeben, um ihn bei ihrer Party zu haben, aber nicht unter dieser Voraussetzung! Zum Glück war es jemand anderes, der Holgers Style nur nachahmte.

Die Frage blieb, warum das Klischee hier aufkreuzte. Vielleicht waren ja zu ihrer Party keine Leute erschienen und sie hatte sich entschlossen, lieber hier mitzufeiern. Oder sie kam, um Leute von hier zu sich abzuziehen. Oder, das würde am besten zu ihr passen, sie fand den Ort so unschlagbar cool, dass sie ihre eigene Feier hierher verlegt hatte. Es gab schließlich einen weiteren Schuppen auf dem Gelände.

„Jetzt fehlt nur noch eine Matratze“, murmelte Junis neben Elle und verdrehte die Augen.

„E-e-e-lle!“, rief das Klischee, „hast du nun heute Geburtstag oder morgen? Ich möchte dir gratulieren, aber vorher bringt Unglück. Ich habe übrigens heute, Schwester.“

„Morgen“, sagte Elle.

„Nein, heute. Hä?“

„Ich habe morgen.“

„Achso, ja, dann hab ich also vor dir Geburtstag. Ist das lässig?“ Sie hakte sich bei Leon unter. Es sah aus, als wollte sie mit in seine Haut schlüpfen.

„Wir sind schnell mit dem Auto rübergekommen, weißt du, um mal bei deiner Party vorbeizuschauen, bevor bei uns richtig die Post abgeht. Ich starte erst um neun. Feierst du da drin?“

Sie zeigte auf das Schiebetor. „Ab-ge-fahren!“

Schon schlüpfte sie durch den Spalt nach drinnen, Elle und Junis hinterher. Wo war eigentlich Dennis hin?

Junis stellte sich in die Nähe seiner Box. Es lief noch keine Musik. Es gab nur wenig Licht.

„Cool“, sagte das Klischee, „ich nehme an, das ist pur. Richtig? So art-brut-mäßig. Oder? Habt ihr gar keine Matratze? Auf dem Sofa kann man ja nicht sitzen oder so. Das ist verschmutzt, würde ich sagen.“

Immer noch hing sie an ihrem Typen, als könnte sie allein nicht gehen. Trotz der Dämmerung im Schuppen sah Elle jede Einzelheit von Corinnas Make-up. Leon presste seine Hand auf ihre Taille, das brachte die Oberweite noch besser zur Geltung.

„Oh, die UE Boom 2! Nicht schlecht, wenn man keine richtige Anlage hat.“

Junis trat einen Schritt vor. Sie hätte ihn beiseiteschieben müssen, um an die Box zu kommen.

„Lässig, lässiger Ort, lässige Idee. Vielleicht feiere ich nächstes Mal auch hier. Aber lasst euch nicht erwischen. Und wenn doch: Ihr wisst ja, wo ihr mich findet. Und meine Party geht mindestens bis morgen früh. Vielleicht das ganze Wochenende lang. Ciao, Junis.“

Er hatte daran gedacht, die Boom zu schützen, sich dabei aber selbst vergessen. Corinna schenkte ihm einen ihrer Augenaufschläge und wiederholte die Nummer mit der Hand, die sie auf seiner Brust ruhen ließ.

„Wir feiern kurz und hart“, sagte Junis.

Die Augen des Klischees leuchteten auf.

„Kurz und hart, das klingt … uuhm. Wir werden auch kurz und hart feiern, Jungs! Kürzer und härter, dafür vielleicht öfter.“

„Oh, fast vergessen“, sagte sie zu Elle schon im Umdrehen, „ich habe ein Geschenk für dich. – Leon!“

Leon setzte den Rucksack ab und holte ein Päckchen heraus. Lila-grünes Geschenkpapier. Ein goldenes Band verzierte das Geschenk, es waren sogar so Ringel an den Enden.

„Du darfst es nicht aufmachen. Erst wenn du Geburtstag hast. Sonst bringt es Unglück. Aber ich kann dir schon mal sagen, was drin ist: eine Bree Faro 1! Das ist die beste, schönste, praktischste Handtasche, die es gibt. Kein Fake. Ich hab sie doppelt, weißt du? Ciao, Elle!“

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