Die Clique I: Junis II

Junis geht in Elles Klasse, er ist auf jeden Fall schon 16. Der Vater ist Arzt, Kardiologe am Krankenhaus. Die Mutter arbeitet an einer Uni. Junis ist viel allein, der Vater arbeitet immer sehr lange, übernachtet manchmal in der Klinik, und sitzt, wenn er daheim ist, meistens in seinem Arbeitszimmer. Seine Mutter ist drei Tage die Woche an der weit entfernt liegenden Uni. Dementsprechend kann die Clique sich gut bei ihm zu Hause treffen. Manchmal wird ihm das auch zu viel.

Junis hat coole Klamotten und Gadgets, aber nicht übertrieben. Er verbirgt seine Gefühle oder weiß nicht, wie er darüber sprechen kann. Für die Schule macht er gerade so viel, dass er nicht hängen bleibt. Wenn er keine Lust hat, bleibt er zu Hause und kifft. Die Kifferei nimmt allmählich zu, seine Motivation, irgendwie dabei zu bleiben, nimmt ab.

Ich stelle mir vor, dass Junis einen Migrationshintergrund hat (Vater aus dem Nahen Osten etwa), dass er der Sohn eines sehr angepassten Menschen ist. Die Eltern sind in diese kleine Stadt gezogen, weil der Vater die Stelle am Krankenhaus bekommen hat. Vielleicht ist Junis so schluffig drauf, weil sein Vater nicht viel von ihm hält. Außerdem kann er kein Blut sehen, ihm wird sofort flau.

Er hängt oft mit Elle ab; es heißt, die beiden seien ein Paar, das stimmt aber nicht. Beide sind froh, dass sie von dem Verdacht entlastet sind, keine Beziehung zu haben. Es muss eine Ebene geben, auf der sie sich besonders gut verstehen. Vielleicht schauen sie zusammen Filme an. (Junis könnte Horror-Film-Spezialist sein, aber das ist etwas eng gedacht im Hinblick auf das Geschehen – vielleicht schauen sie SF-Filme oder ausschließlich asiatische Filme … ) Ich denke, dass sie schon zusammen in der Grundschule waren, vielleicht sogar im Kindergarten, und sich schon da so eine Gemeinschaft der weniger gemochten ausbildete. Junis beschützt Elle, wenn es nötig ist, sie verteidigt umgekehrt ihn. Neuerdings sind sie sich in manchen Dingen auch rätselhaft. Es gibt besonders bei Junis eine Eifersucht auf alle, die in Elles Nähe kommen.

Außerhalb der Clique hat Junis kaum Kontakte. Er träumt davon, ein ganz anderer Typ zu sein, einer, der große Reportagen macht oder öffentlich auftritt. Er googelt sich manchmal selbst. Möglicherweise plant er eine Rube-Goldberg-Maschine, ist aber zu faul, sie zu bauen oder kommt nicht über die ersten Schritte hinaus. Junis hat es im Kindergarten schon schwer gehabt, Anschluss zu finden. Die Kinder fanden ihn immer seltsam, vielleicht sah er komisch aus, ein bisschen ungelenk und kantig oder schwammig. Er hat es nie verstanden, sich angenehm zu machen. Er ist auch eher der Typ, der es mag, wenn andere sich winden.

Innerhalb der Clique hat Junis eine starke Position. Meistens vertritt er die extremsten Positionen und traut sich auch am meisten, wenn es ums Fehlen, Rauchen, Scheißbauen geht.

> Zur ersten Version von Junis

4 Gedanken zu „Die Clique I: Junis II“

  1. 1
    Anonym says:

    „Außerdem kann er kein Blut sein,“ (Z. 24f)

    Bitte korrigieren!

  2. 2
    Hannah Köstler says:

    Es ist gut, aber es ist nicht schön

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.