Die Clique I: Junis

Junis geht in Elles Klasse, er ist auf jeden Fall schon 16. Der Vater ist Arzt, macht etwas mit Entwicklungshilfe oder ist ein gefragter Spezialist. Die Mutter arbeitet an einer Uni. Junis ist viel allein, der Vater verreist manchmal für Monate. Seine Mutter ist drei Tage die Woche an der weiter entfernt liegenden Uni. Dementsprechend kann die Clique sich gut bei ihm zu Hause treffen. Manchmal wird ihm das auch zu viel.

Junis hat coole Klamotten und Gadgets, aber nicht übertrieben. Er verbirgt seine Gefühle oder weiß nicht, wie er darüber sprechen kann. Er hat irgendein Spezialgebiet, über das er alles weiß. Für die Schule macht er gerade so viel, dass er nicht hängen bleibt. Wenn er keine Lust hat, bleibt er zu Hause und kifft.

Ich stelle mir vor, dass Junis einen Migrationshintergrund hat (Vater aus dem Libanon etwa), dass er der Sohn eines sehr angepassten Menschen ist. Vielleicht ist er so schluffig drauf, weil sein Vater nicht viel von ihm hält.

Er hängt oft mit Elle ab; es heißt, die beiden seien ein Paar, das stimmt aber nicht. Beide sind froh, dass sie von dem Verdacht entlastet sind, keine Beziehung zu haben. Es muss eine Ebene geben, auf der sie sich besonders gut verstehen.

Außerhalb der Clique hat Junis kaum Kontakte. Er träumt davon, ein ganz anderer Typ zu sein, einer, der große Reportagen macht oder öffentlich auftritt. Er googelt sich manchmal selbst. 

Ich frage mich, wie er Elle sieht, ob die Verbindung zwischen ihnen geschwisterähnlich ist, wie lange und wie gut sie sich schon kennen. Können sie voreinander ihre verletzlichen Seiten zeigen? Sind sie eifersüchtig aufeinander? Worin ist Junis besonders gut, kann er einfach gute Joints bauen oder ist es etwas ganz anderes?

> Zur zweiten Version von Junis

11 Gedanken zu „Die Clique I: Junis“

  1. 1
    passenger says:

    vielleicht baut er Rube-Goldberg-Maschinen?

  2. 2
    Thomas says:

    Laut Wikipedia ist eine Rube-Goldberg-Maschine ist eine Nonsens-Maschine, die eine bestimmte Aufgabe absichtlich in zahlreichen unnötigen und komplizierten Einzelschritten ausführt. Dies hat keinerlei praktischen Nutzen, sondern soll bei der Beobachtung Vergnügen bereiten. – Gibt es einen bestimmten Grund, warum Junis solche Maschinen basteln sollte?

    • 2.1
      passenger says:

      schau lieber bei youtube. Witz dran ist Ursache/Wirkung, Dominoprinzip, wo die Schritte gar nicht mehr nachvollziehbar sind. Fiel mir ein wg der Grundfrage d Romans, WARUM? und wegen Junis leerem Haus, das man mit RG-Maschine gut beleben könnte.

       

  3. 3
    L!nda says:

    Junis und Elle kennen sich schon lange. Kindergartenfreunde. Sehr eng. Durch die Pubertät hat sich ihr Verhältnis ein bisschen verändert, sie sind immer noch sehr vertraut. Es gibt aber auch Sachen, über die sie miteinander nicht sprechen können. Junis nimmt Elle manchmal in Schutz vor den anderen in der Clique. Obwohl sie keine romantischen Gefühle füreinander haben, gibt es etwas wie Eifersucht zwischen ihnen.

    Junis Vater ist Arzt. Was könnte sein Fachgebiet sein? Kardiologie vielleicht? Möglicherweise hätte er gerne, dass Junis mal in seine Fußsstapfen tritt, aber das zeichnet sich bisher nicht ab. Ist der Vater deswegen enttäuscht von seinem Sohn?

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich Junis evtl. besonders gut mit Filmen auskennt? Er hat immer einen Filmvergleich parat.

  4. 4
    kiki says:

    Wie kommt ein eigentlich cooler Typ (am Materiellen gemessen) zu der „schrägen“ Clique und hat sonst keine Freunde in der Klasse? Ist es wegen Elle und hat sich einfach so ergeben oder ist mal was vorgefallen, was ihn bei den anderen Mitschülern irgendwie ins „Aus“ rutschen ließ? Vielleicht gefällt es Junis auch, dass er in seiner Clique ein bisschen der Anführer sein kann. In einem anderen Freundeskreis wäre das wahrscheinlich nicht so.

  5. 5
    Johannes says:

    Wer kümmert sich um Junis, wenn die Eltern so viel abwesend sind? Eine Haushälterin? Gibt es ältere Geschwister? Hat er die Schule im Griff oder ist er eher in der Gefahr, herauszukippen, fehlt häufig usw.? Wieso ist der Standort der Familie eigentlich in diesem Ort, wenn die Eltern so viel unterwegs sind, also gute Verkehrsanbindungen benötigen? Zum Vater: Kann er eine angepasste Figur sein, wenn er als Spezialist arbeitet? Solche Leute sind doch sehr profiliert und sich ihres Wertes bewusst. Kann natürlich sein, dass er wegen häufiger Abwesenheit zuhause keine große Rolle spielt.

    • 5.1
      philo says:

      Stimme Anselm voll und ganz zu.  Entweder man spielt mit dem Namen auf Janus an und das scheint ja in der Charakterbeschreibung nicht der Fall zu sein, oder der Name weckt die ungewollte Konnotation zu dem Film Juno.

      Ich sehe Junis auch eher als ruhigen, eher passiven Menschen, nicht als Anführer, dazu ist zu faul, wie du sagst. Nur in der Tatnacht ändert sich das plötzlich.

       

      • Thomas says:

        Ich hab mich mal schlau gemacht: Juno ist a) ein Mädchenname und in dem Film geht es b) um Schwangerschaft. Also da hätte ich keinerlei Berührungsängste. Mir gefiel Junis, weil es ein arabischer Name ist, er als solcher aber kaum auffällt. Außerdem wird er sowohl Jungen als auch Mädchen gegeben. Das könnte für die Geschichte noch Potenzial beinhalten.

    • 5.2
      Thomas says:

      Der Ort ergibt sich einfach daraus, dass es dort diese Klinik gibt. Junis‘ Vater stelle ich mir gesellschaftlich angepasst vor: er funktioniert, arbeitet viel, verdient viel, schaut kaum nach links oder rechts. Er ist vielleicht zufrieden mit dem, was er dort erreicht hat: einen guten Posten im Kreiskrankenhaus (oder was immer es dann ist). Mehr, in einer größeren Stadt, mit härterer Konkurrenz, will er nicht.

  6. 6
    Anselm says:

    Ich denke in die Richtung von kiki – mir ist die Figur von Junis noch zu widersprüchlich. Besonders fragwürdig erscheint mir, dass er innerhalb der Clique eine Art Tonangeber sein soll, ich finde, das passt nicht zu seiner sonstigen Charakterbeschreibung. Ich könnte mir vorstellen, dass er wie seine beste Freundin Elle in der Gruppe eher zurückhaltend ist. Er denkt mehr nach innen und ist in Zweiergesprächen gut. Vielleicht wird es dann umso befremdlicher, wenn er in der Tatnacht plötzlich die Grausamkeit mitmacht, ja sie in einem plötzlichen, vorher nie gekannten Gruppenmachtgefühl sogar vorantreibt. Das würde auch den anschließenden Konflikt (evtl die Entfremdung) mit der verstörten Elle interessanter machen. Denn wenn er ohnehin schon eine Art Cliquenanführer ist, schwindet seine Fallhöhe – sowohl hinsichtlich der Tat, als auch hinsichtlich der Freundschaft zu Elle.

    Und hey, bitte überdenke nchmal den Namen. Junis – das klingt etwas gewollt und spielt zu sehr auf den Jugendblockbuster Juno an.

    • 6.1
      Thomas says:

      Das mit dem Anführer überlege ich noch mal, danke für die Anregungen. Vielleicht wird das hier auch zu sehr betont. Es soll ja keine Bande mit quasi mafiösen Strukturen sein. Im Moment denke ich auch in die Richtung, dass Junis zwar Status hat, weil er einfach schlauer ist (als Dennis etwa), weil er die Location und das Dope hat etc. Aber er hängt gern rum und auch durch. Die Sache mit dem Toten gibt ihm vielleicht erst den Kick, mal aus sich rauszkommen, in einer ersten Phase könnte er das als etwas sehr Positives erleben …

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