Der Tote: Frank

Frank hat viele Jahre als Hilfskraft in einer Wäscherei gearbeitet. Er galt dort als Einzelgänger, der kaum redete und mit niemand außerhalb der Arbeit Kontakt hatte. Auch die Nachbarn kannten ihn kaum. Er lebt in einer Souterrainwohnung, um nicht zu sagen in einem Keller, in einer der schlechteren Ecken der Stadt. Dort verbrachte er den größten Teil der Zeit allein.

Immer häufiger sah man ihn aber an einem Kiosk mit ein paar Asis trinken. Frank war alkoholkrank. Wegen Trunkenheit verlor er im Jahr vor seinem Tod den Arbeitsplatz. Auch seine einzige vertraute Bezugsperson, die Inhaberin einer kleinen Pension am Ort, starb mit Mitte fünfzig.

Frank hatte ein paar seltsame Gewohnheiten. Er kaufte immer dieselben Lebensmittel ein, nie schein es eine Abwechslung zu geben. Aber er zog beim Einkaufen Stapel von ollen Zetteln aus seinen Taschen, in denen er seine Einkaufliste suchte und sich dabei verwirrte. Er ging immer um alle vier Ecken, bevor er das Haus betrat, in dem er wohnte.

Er war ein schmächtiger, beinah feingliederiger Mann mit schon grauen Haaren und einem etwas unregelmäßigen, kurzen Bart. Niemand hätte ihn für suizidal gehalten. Aber gegen Ende des Winters kaufte er mehrere Flaschen Wodka, schrieb mehrere Abschiedsbriefe und ging während der kältesten Zeit in das Wäldchen hinter den Schrebergärten. Dort trank er so lange weiter, bis er das Bewusstsein verlor. Der tote Körper wurde vom Schnee begraben, der noch in der Nacht zu fallen begann.

Wie sieht es in Franks Wohnung aus? Ist er ein Typ, den man als sozial tot auffassen könnte – jemand, den seine Umgebung einfach übersieht, solange er nicht auffällig wird?

> Zur zweiten Version von Frank

3 Gedanken zu „Der Tote: Frank“

  1. 1
    Johannes says:

    Woher kommt Frank? Ist er aus der Gegend – was ist dann mit den sozialen Bindungen, hat die Familie ihn fallenlassen – oder ist er vielleicht in der Zeit nach dem Mauerfall nach Traunreut gekommen und hat dort dann diese Randexistenz geführt? Wieso blieb er eigentlich in T. hängen? Hatte er vielleicht ein merkwürdiges Hobby, besondere Interessen (Astrophysik, Chemtrails, Pilzkenner …) und konnte mit langen Monologen dazu ganz schön nerven, wenn er getrunken hatte?

  2. 2
    L!nda says:

    Mich wundert es, dass der Tote über seine Funktion als „Opfer“ hinaus noch eine Rolle in der Geschichte spielt. Ist es nicht eigentlich egal, wer er war und wie seine Wohnung aussieht? Oder finden die Jugendlichen später durch die Polizei noch etwas über ihr Opfer raus und werden sich erst dann darüber klar, was sie eigentlich getan haben?

  3. 3
    kiki says:

    Inwiefern jemand sozial tot sein kann, wurde hier ja schon diskutiert. Das würde auf Frank schon passen oder?

    Ist es eine Voraussetzung für die Leichenschändungen, dass die Jugendlichen Frank alle nicht kennen? Sonst hätten sie die Tat wahrscheinlich nicht gewagt…
    Oder kannten sie ihn und mochten ihn nicht? Weil er war, wie sie nie werden wollen? So eine Aversion würde dem Ganzen nochmal eine andere Dimension geben.

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