Gedanken zum Text

gedanken_660

Auf dieser Ebene soll der Prozess des Schreibens selbst reflektiert werden und der Autor wird mit den Usern grundlegende Fragen zur Entstehung von Literatur diskutieren: Wie haucht man einer Figur Leben ein? Wie viel Wirklichkeit braucht die Fiktion? Wie findet man seinen eigenen Ton?


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Ein Gedanke zu „Gedanken zum Text“

  1. 1
    passenger says:

    wenn man „runde“ Figuren schreiben will und im weitesten Sinn eine realistische Geschichte, muss man deutlich mehr über die Leute wissen, als man im Buch sagt, meiner Meinung nach. (ca. dreimal so viel. Oder zehnmal so viel. Erstaunlich viel mehr.)

    Die Entscheidung, wie viel man sagen will, ist schwieriger, und besonders, an welcher Stelle man was sagen will (z.B. kein von Kopf bis Fuß-Beschreiben, sobald jemand neu auftritt, das ist eine echte Unsitte), und wichtig ist hier natürlich auch immer die Perspektive (worst case: Ich-Perspektive & beschreibt, was sie im Spiegel sieht, damit Leser weiß, wie sie aussieht.)

    Ich habe mal einen schönen amerikanischen Roman gelesen, leider weiß ich nicht mehr, wie er hieß, in dem man erst bei der Hälfte des Buches plötzlich merkte, dass alle Charaktere schwarz waren. Das fand ich hochinteressant. Die Geschichte drehte sich nach dieser Erkenntnis im Rückblick plötzlich völlig um, weil die Problematik mit dieser Information eine völlig andere war als ohne. Und weil man merkte, wie selbstverständlich man „weiß“ annahm, weil es ein weißer Autor und keine klischeehaft schwarze Situation war. Extremfall, aber – ja, manchmal muss man sich sehr genau überlegen, wann man welche Informationen herausgibt.

    Sehr interessant finde ich, dass du anscheinend das ganze Personal vorher aufstellst, bevor du die Geschichte konstruierst. Willst du die fertigen Figuren anschauen und dann überlegen, wie der Tathergang war, entsprechend ihrer Charaktere und Vorgeschichten? Naheliegender fände ich spontan das Gegenteil – erst den Plot mit „Platzhaltern“ erfinden und dann die passenden Figuren hineindenken, also erst Tat – dann Motivationen – dann mögliche Gründe für die Motivationen – dann die Figuren, zu denen das passt– aber deine Variante ist irgendwie … menschenfreundlicher, nicht so artifiziell.

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