Mitschreiben

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Bisherige Beiträge

5 Gedanken zu „Mitschreiben“

  1. 1
    prop says:

    Dass Helmar einen altdeutschen Beiklang hat, fällt kaum auf, das weiß heute niemand mehr. Er könnte diesen Teil des Namens auch nach einem modernen dänischen Kinderbuch bekommen haben. Ist also ein sehr guter Beiname. Der Bildhauer-Vater  ist interessant, aber warum soll er die Arbeit auf dem Friedhof nur aushilfsweise tun ? Keine bessere Werbung als sichtbar schön gestaltete Grabsteine. Der Vater versteht das und darum denkt er sich schon für die grade noch Lebenden schöne Motive für ihre Gräber aus und ist eigentlich mehr ein leidenschaftlicher Grabstein-Gestalter als ein Bildhauer-Künstler. Er freut sich, wenn den Spaziergängern auf dem Friedhof seine Arbeiten auffallen. Er interessiert sich nicht für Kunst als Provokation.

    Zur Clique ist mir aufgefallen, dass es noch eine pädagogische oder pseudo-pädagogische Figur gehen könnte. Irgendwo ist auf diesen Seiten schon vermerkt, dass Jugendliche zu viel unter sich sind, kein umfangreicheres Milieu über ihren Altersrand hinaus. Die Abwesenheit der Eltern / Mutter wurde beschrieben. Diese Bemerkung finde ich grade nicht wieder, fand aber den Gedanken gut. Jugend kann kaum auswählen oder vergleichen oder gar lernen, wenn sie nur in ihren eigenen Unsicherkeiten von Erwachsen-Werden oder Gewissheiten (von coolness und Konsum und verordneter Scham) stecken bleibt. Das müssen keine Vorbilder sein, einfach nur eine vielfältigere Umwelt als immer die gleichen Klamotten, an der man beobachten könnte, was nachahmenswert ist ­—­ aber auch, wie man niemals im eigenen Leben sein will, oder woran man sich zwanzig Jahre später erinnern könnte, was man niemals tun würde und was man vielleicht später können wollte.

    Es gibt Pädagogen, die sich das zunutze machen, oder auch Psychologen. Die in offene Konkurrenz zu Eltern treten, sich als Vertraute verstehen. Als Versteher. Zum Beispiel als Lehrer, die ihre notwendige tägliche Nähe zu Jugendlichen als alltägliches Szenario erzieherischer Arbeit an der Jugend auffassen (statt Geographie). Eine solche Figur könnte es in der Clique oder an ihrem Rand auch geben. Muss nicht unsympathisch sein. Wahrscheinlich gut aussehend. Eine Figur, die es gelernt hat, ihren seichten Rest-Chauvinismus in diskret verteilte Kumpanei zu zerstreuen.

  2. 2
    Thomas says:

    Es ist spannend, wie du den Bildhauer siehst, prop. Ich habe ihn eher gesehen wie jemand aus meiner Generation, der keinen Bezug zu public relations hat und deshalb als Grabstein-Gestalter arbeiten muss (anstatt diese tollen Sachen zu machen, die er in sich spürt …) Dass er sich gerade in den Grabsteinen verwirklicht, wäre eine Variante. Vielleicht hat die kleine Stadt den originellsten Friedhof in Umkreis von 300 Kilometern. Wären die Einwohner sich dessen bewusst, gäbe es vielleicht sogar einen kleinen Tourismus deshalb?

  3. 3
    prop says:

    Wahrscheinlich ist der Vater kein origineller Typ. Er arbeitet gerne mit den Händen, mit Material, denkt sich Konstruktionen aus, die kompliziert sind, denen man es aber nicht ansieht. Die dann zumindest die Blicke auf sich ziehen. Dabei macht er Kunst. Auf die Wahrnehmung in der Stadt oder in seiner Familie, ein Künstler zu sein, legt er allerdings keinen Wert. Wahrscheinlich sind dann auch die Friedhofsteine nicht originell gestaltet, sondern stammen einfach nur nicht aus dem bundesweiten Steinmetz-Katalog. Ja PR interessiert ihn null und kann er nicht. Daran denkt er gar nicht. Aber er trägt gern etwas zur Gemeinschaft bei. Die kleine Stadt könnte bekannt dafür sein, einen eigens gestalteten Friedhof zu haben, auf dem man gerne herumspaziert, und dabei interessant gemachte Grabsteine sieht. Gibt es Preise für Friedhofsgestaltung ? Den könnte die Stadt bekommen haben.  

  4. 4
    prop says:

    Mir fällt noch ein: zwischen Lehrern, Schülern und Eltern gibt es heute meistens noch eine andere Person im sozialen Kontext von Jugendlichen oder Erziehungsfeld, das ist der Sozialpädagoge, an vielen Schulen inzwischen fester Bestandteil. Manchmal mit einer psychologischen Ausbildung, ein Streitschlichter oder Mediator oder so. Das können ganz verschieden ausgeprägte Gestalten sein: ein schüchterner Germanistik-Referendar, der sich dann gegen die Lehrer-Laufbahn entschieden hat, und trotzdem an der Schule arbeiten wollte und noch eine Zusatz-Ausbildung machte. Weil ihn das aggressive und weit verbreitete Lehrer-bashing abschreckte? Oder eine auch sehr junge Sozialpädagogin, die dabei gar nicht dem Mutti-Image entspricht, sondern eher zur generation „challange“ gehört, und sich als coach der Schüler und Schülerinnen versteht. Im Stil von: „Du kannst alles schaffen.“

  5. 5
    prop says:

    challenge.

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