Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (2)

8:00 Uhr. Alle Schüler machen sich auf den Weg in ihre Klassenzimmer. Grüppchenbildung in der Masse ist schon deutlich zu erkennen und nicht nur zwischen den Klassen selbst, sondern auch in jeder Klasse. Die Gänge leeren sich und es wird ruhiger.

Da Elles Mutter heute schon frühzeitig in die Arbeit musste, kommt sie zu spät in den Biologieunterricht. Jedoch hat sie Glück, dass der Lehrer sie am liebsten von allen hat und niemals sauer auf sie wäre.

Elle betritt das Klassenzimmer, ein düsterer und kalter Raum, da die Wände durch den Altbau kaum isoliert sind und es nur kleine Fenster gibt, durch die das Licht durchdringen kann.  Neben der Tür hängen die bunt verzierten Steckbriefe der Schüler. Ein kleiner Versuch, das Zimmer zu verschönern und gemütlicher zu machen. Dies gelingt nur überhaupt nicht. Die dreckigen und dunklen Wände, die schmutzigen Vorhänge, die schwarzen Tafeln und die vollgeschmierten Tische stechen zu sehr heraus.

Als alle Augen auf sie gerichtet sind, entschuldigt sie sich bei Herrn Denner für ihre Unpünktlichkeit und setzt sich auf ihren Platz, der sich in der hintersten Ecke des riesigen Klassenzimmers befindet.

Die Schüler sind auch bei ihrer Platzwahl nach ihren „Cliquen“ aufgeteilt. Ganz vorne befinden sich die Streber der Klasse, die jedes Mal versuchen, den Unterricht zu retten, indem sie die einzigen Antworten auf die Fragen der Lehrer geben.

Weiter hinten, auf den unauffälligen Plätzen, befinden sich die Außenseiter der Klasse, die immer wieder von der Peer-Group-Clique genervt werden. Zum Beispiel mit dummen Sprüchen zu ihrem Aussehen, ihren Unterrichtsbeiträgen, ihrem Verhalten oder weil sie einfach Lust haben, jemanden fertigzumachen.

Die Beliebteste der Klasse und auch Anführerin der angesehenen Clique ist Corinna, eine Freundin oder eher ehemalige Freundin von Elle. Corinna ist besonders eifersüchtig auf sie, da Elle die größte Aufmerksamkeit des hübschen Lehrers bekommt.

Und der Unterricht beginnt. Elle ist tief in ihren Gedanken versunken und starrt aus dem Fenster, zu dem Teich, wo sie jetzt gerne wäre. Alleine, um nicht in Probleme verwickelt zu werden und ganz für sich zu sein. Um sie herum beginnen schon die Sticheleinen der Clique. Immer wieder kommen Kommentare zu den Beiträgen der Mitschüler, die pure Unsicherheiten auslösten.

Denner versucht verzweifelt, Ruhe in den Unterricht zu bringen, da er empfindet, dass das so nicht weitergehen kann. Er kann nicht verstehen, wie pausenlos jemand schwätzen kann, bei einem Fach wie Biologie, das nach seiner Meinung interessanteste Fach. Es ist nicht bloße Theorie, sondern auch Praxis und ein Fach fürs Leben.

Spielfigur Wunsiedel: Schulstunde mit Denner

Pünktlich zum Schulgong stürmte Elle ins Klassenzimmer. In der ersten Stunde hatten sie Herrn Denner und der konnte es nicht leiden, wenn man zu spät kam. Entweder man kam pünktlich oder gar nicht. Elle ließ sich auf ihren Platz fallen. Eigentlich müsste Junis neben ihr sitzen, doch er hatte sich offensichtlich dazu entschieden nicht aufzutauchen. Herr Denner, der wie immer Sportklamotten trug, wünschte ihnen mit übertrieben guter Laune einen guten Morgen und schenkte der Klasse ein breites Lächeln. Die „Clique“, allen voran Corinna, die Anführerin, von allen aber nur das „Klischee“ genannt, fing an zu Kichern.

Die „Clique“, das sind die reichsten und beliebtesten Kinder der Schule. Sie hatten hier das Sagen, sogar die Lehrer kuschten vor ihnen. Jeder wäre gern bei ihnen dabei, auch Elle. Sie würde das aber niemals zugeben.

Als die Unruhe einmal ausgebrochen war, verbreitete sie sich wie ein Lauffeuer durchs ganze Klassenzimmer. Der Geräuschpegel schoss in Sekundenschnelle in die Höhe. Sie waren über 30 Leute in der Klasse, da wurde es schon mal richtig laut. Herr Denner versuchte, die Klasse wieder zur Ruhe zu bringen, doch ohne Erfolg, niemand schien ihm zuzuhören. Schließlich musste er dann doch etwas lauter werden, um das Geschrei im Zimmer zu übertönen.

„Ruuuhe! Könnt ihr nicht einmal leise sein! Anscheinend ja nicht, dann werden wir heute eben nicht an unserem Projekt weiterarbeiten, sondern in Einzelarbeit Übungen machen. Nehmt euch mal ein Beispiel an Elle, sie ist die Einzige, die hier leise ist.“

Na toll! Elle konnte die bösen Blicke auf sich spüren.

Abschlusslesung im Münchner Künstlerhaus

Am Freitag, 23. Juni 2017, fand im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz die Abschlusslesung der Onlinephase des Netzromans und damit auch die erste öffentliche Lesung aus dem Manuskript Der gefundene Tod statt.

Mit dabei als Vortragende und Diskussionspartnerinnen waren die junge Autorin Sophie Stroux, die aus der Sicht einer Userin und als Blogbetreiberin über den Netzroman und das Schreiben im Internet berichtete, und die Poetry Slammerin Fee, die das Publikum mal mit nachdenklichen Texten und mal mit Witz und Ironie in das Gefühlschaos der Pubertät zurückversetzte. Die Moderation des Abends übernahm der Schriftsteller Fridolin Schley.

Veranstalter des Abends waren der Münchner Seerosenkreis und das Literaturportal Bayern, das mit diesem Abend auch sein fünfjähriges Bestehen feierte.

 

To be Frank

von Sophie Stroux

Der Montagmorgen danach begann wie so viele Montagmorgende – zu früh und mit dem Geschmack von Pfefferminzzahnpasta, die auf dem Zahnfleisch brannte. Elle war noch übel, ihr Magen erinnerte sich an die Nacht, die sie nur noch die Nacht nannte, denn das Wort Geburtstag klang so falsch, dass sie lieber so tat, als hätte sie nie Geburtstag gehabt.

Später Sportstunde bei Denner, diesmal mit den Jungs zusammen. 50 Minuten laufen, einfach nur laufen und durchhalten, durchpusten in der ersten warmen Sonne des Jahres. Elle setzte einen Fuß vor den anderen, langsam, bedacht, während die Jungs, Junis und Hell, zu zweit joggten. Der Rest der Klasse in Grüppchen schwatzend auf dem Sportplatz trabend. Wenn sie die beiden sah, wie sie gemütlich redeten, so als wäre nichts gewesen, wurde ihr wieder schlecht und bei jedem Schritt zog sich der Knoten in ihrem Magen enger, wurde der Atmen kürzer und die Gedanken endlos. Also blickte sie stur auf den Boden und wich den beiden aus, betrachtete den roten Boden des Sportplatzes und ihre neonfarbenen Schuhe auf dem dunklen Rot. Die Spitzen ihrer Sportschuhe trugen kleine Löcher über den Zehen, Schaufenster quasi, die sie sich gegraben hatten, um ihr zuzuschauen.

Denner, unnatürlich braungebrannt in seinem Niketop, blickte zur Stoppuhr. „15 geschafft. Vergesst nicht zu trinken, wenn euch schwindelig wird“, schrie er zurück und joggte kurz mit einer Gruppe Mädchen mit, um ein bisschen ins Schwitzen zu kommen. Das sah einfach besser aus, so als Sportlehrer.

Elle lenkte sich ab mit Schuhlöchern zählen und den Löchern Namen geben, aber ihr fiel immer nur ein Name ein. Frank.

Frank heißt auf Englisch offen, ehrlich. To be frank, um ehrlich zu sein. Aber Frank war nicht ehrlich, sonst wäre er nicht zu Elles Party gekommen.

Plötzlich ein Blitz aus dem Grün, Elle zuckte, war wieder in dem Moment der Party, als Junis ihr den Tag des Mannes unter die Nase hielt. „Er heißt übrigens Frank.“

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