Spielfigur: Eine Partyszene

Elles Geburtstagsparty aus der Sicht von Sophie

0:56

Die Party war im vollen Gange. Alle tanzten wild und ausgelassen zu dem neuen Hit „Stress mit mir“ von Jambeatz. Corinna stolperte durch das Gedrängel genau auf Elle und Junis zu, welche sich etwas abseits gerade unterhielten. „Echt krasse Party Elle, schau mal, wie die alle am Abdancen sind.“ Junis musste schreien, damit Elle ihn verstand. „Ja, echt cool, dass so viele kommen konnten.“ Nach einer kurzen Schweigepause… „Ähm… wollen… äh… wir…“ Elle kicherte und trat näher an Junis heran. „Hast du Lust zu tanzen?“ „Ja ok, meinetwegen.“ Junis machte eine lässige Pose, um seine Unsicherheit zu überspielen. „Was hast du gesagt??“ Elle musste schreien. Valentin hatte die Musik noch etwas lauter gedreht, denn jetzt lief der ultimative Song, den alle feierten. „Diese beiden“ immer noch von Jambeatz. Junis nahm all seine Puste zusammen und schrie „Is OKAY!“ Er hatte so laut gebrüllt, dass sich seine Stimme fast überschlagen hatte. Elle starrte ihn kurz an und zog ihn schließlich lächelnd auf die Tanzfläche. Der Bass war nun so stark zu spüren, dass der ganze Boden anfing zu vibrieren und alle zu dem Beat hin und her wippten. Schwankend kam Corinna bei Junis und Elle an. „Was ist jetzt schon wieder Corinna, ich hab dir doch schon vorhi…“ „Nein, Neiin…, ich wollte nur sagn die Party eskaliert noch nich so ganz. Wir könnten doch noch n paar Freunde anrufn.“ „Puh, du bist betrunken.“ „Nöööööö, gar nich, siehst duu…“ „Lassen wirs, geh lieber nach Hause Corinna.“ Leicht trieb Junis Corinna aus der Menge. „He, Valentin!“ Sofort war Valentin neben Junis erschienen. „Bestell ihr ein Taxi, das sie nach Hause fahren soll.“ „Okay, aber wa….“ Junis warf ihm einen finsteren Blick zu und er verzog sich in die Richtung, in die Corinna davontaumelte. Junis wandte sich wieder Elle zu: „Eigentlich mag ich Jambeatz nicht,“ gestand Elle „das ist mir zu krass. Ich hör lieber…“ „Hey Junis!“ „Alter, was ist los?“ Es war Dennis. „Ich, bitte, … komm…, das ist zu viel.“ Dennis sank zu Boden. Mit einem dumpfen Aufprall kam er auf und verlor sein Bewusstsein. „Scheiße, Dennis! Hey! Hallo!“ Keine Reaktion. Mehr und mehr Leute versammelten sich jetzt um Junis, Elle und Valentin. „Hier gibt es nichts zu gucken, verschwindet alle!“ Elle versuchte krampfhaft die Menge zu verscheuchen. „Atmet er?“ Besorgt schaute Elle auf Dennis hinunter. „Warte, ich prüfe seinen Puls.“ Junis fuhr an Dennis Hals. „Ruft mal jemand einen Krankenwagen?!“ Elle brüllte verzweifelt in die Menge hinein. Keine Reaktion, nur eine gaffende Menge. „Er atmet!“ Erleichtert lies Junis von Dennis ab. „Hey Dennis, alles in Ordnung? Kannst du uns hören?“ „Er öffnet die Augen!“ Stöhnend setzte er sich auf. „Du hattest wohl zu viel!“, rief es aus eine der hinteren Reihen. „Klappe! Arschlöcher!“ Elle wandte ich nun vollkommen den gaffenden Leuten zu: „Okay, die Party ist aus!“ „Wir sehen uns, Elle“ „Mach`s gut!“ „Bis bald.“ Nur noch Valentin, Dennis, Junis und sie waren noch da. Sie sah auf ihre Armbanduhr.

02:18 Uhr

„Was ist los, man?“ Junis klang besorgt. Dennis schluckte: „Ich muss euch etwas zeigen.“ Er richtete sich auf. „Okay, wozu dann die Aufregung?“ Junis stemmte die Hände in die Seite. Dennis schwieg.

X Der Fund (10)

Dennis kam mit einem Gegenstand zurück. Bald wurde klar, dass es sich um ein Stück Rohr handelte, wie sie neben dem Schuppen lagen. Am vorderen Ende saß eine T-Muffe. Er nahm Vale die Taschenlampe ab und steckte sie in eine Seitentasche seiner Cargo-Hose. Er nahm kurz Maß. Weit ausholend schwang er das Rohrstück wie einen Hammer auf den Schädel oder, wer weiß, in das Gesicht des Toten. Es knackte, ganz als würde etwas brechen. All die anderen Geräusche, gab es die? Das beredte Schmatzen, das Sausen der Rohrs in der Luft – womöglich entstand das in den Köpfen, jeder hatte da seinen Film. Von außen kam nichts dazu. Kein Flugzeug, kein Zug, kein Tier in der Nacht, das durchs Laub raschelte, bellte oder schrie, keine Stimmen von Menschen, nicht mal das Surren eines Drohnenpropellers ertönte. Man hätte sich wünschen mögen, dass das verdammte Licht aus Junis’ Lampe ein Geräusch verursacht hätte. Doch es gab keinen Laut. „Der Tod ist still“, hatte Franz Helmar gesagt, der ihm mit fünfzehn der Krieg begegnet war, „ich wünsche keinem, diese Stille kennen zu lernen.“

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X Der Fund (9)

Elle wollte zuerst nicht nach draußen kommen. Sie fühlte sich wohl zwischen dem bullernden Ofen und der Boom. Immer noch hatte sie ein Gefühl von Unbegrenztheit, nur hatte es sich auf geheimnisvolle Weise umgekehrt. Sie schwebte nicht mehr unendlich hoch und weit draußen, sie sank durch einen unbestimmten Raum, der ihr keinen Anhaltspunkt gab, wo darin oben und wo unten war. Trotzdem spürte sie eindeutig, dass es hinabging in eine grenzenlose Tiefe, die Ewigkeit. Sie war dunkel, sie war das Nichts, und wenn sie nicht das Nichts war, dann war sie die Verneinung von allem Bestimmten oder Bestimmbaren auf der Welt. Woher kam auf einmal der Hang zum Philosophieren, war es der Wodka oder das Bull? Waren alle Philosophen Säufer gewesen oder Taurin-Addicts? Hatte es Taurin früher überhaupt gegeben? Ach, das spielte überhaupt keine Rolle. Das Leben war kurz, ein bisschen Traum, ein wenig Hoffnung und gute Nacht! Nichts lebte, das ihrer Regungen würdig wäre. Schmerz und Lageweile waren ihr Sein und Kot die Welt – sie durfte sich beruhigen.

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X Der Fund (8 neu)

[mit kleinen Änderungen]

Vale ging langsam die Laderampe auf und ab. Mit seinen dreizehn Jahren vertrug er noch nicht ganz so viel wie die anderen, umso mehr tat ihm die frische Luft wohl. Wenn der Schwindel sich gelegt hatte, wollte er zum Waldweg laufen, wo er idiotischerweise sein Fahrrad gelassen hatte. Eigentlich wäre das kein Problem gewesen, aber in dieser Nacht konnte man nicht wissen. Da wurde alles Mögliche geklaut oder versteckt. Vale fiel seine Drohne ein. Er fand es ziemlich mies von Hell, dass er sie einfach Elle schenkte, obwohl Vale sie gefunden hatte. Er hätte wenigstens fragen können! Abgesehen davon konnte Vale schon ziemlich froh sein, mit den Großen abhängen zu dürfen. Die nahmen ihn richtig ernst. Sie redeten auch nicht blöd, weil er von einem Bauernhof kam. Manchmal nannten sie ihn Kälbchen, das ging in Ordnung. Aber sie hielten sich nicht die Nase zu oder behaupteten, er hätte Heu oder Mist an den Kleidern.

Vale hatte für Elle eine gecrackte Konsole, die hatte er nicht extra hier rausgeschleppt. Er konnte sie ihr genauso gut morgen noch geben. Ein Game hatte er ihr überreicht, und sie voll nichtsahnend die Augen verdreht und gesagt, ich hab doch gar nix, um das zu spielen. Hehehe. Sie würde garantiert ziemlich glücklich sein. Er überlegte, sich hinzusetzen, aber jede größere Veränderung der Lage konnte dazu führen, dass ihm übel wurde. Heute morgen hatte er nach dem Huhn geschaut; es war tot. Zu viele Wunden, schätzte er. Es machte ihn jetzt noch ganz traurig. Morgen würde er es feierlich begraben, tief genug, dass der Fuchs es nicht wieder ausbuddeln konnte. Seine Mutter hatte gleich gesagt, das wird nichts mehr. Aber er war verdammt nah dran gewesen, es –

„Vale! Vale!“

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X Der Fund (7)

Allmählich organisierte sich Hells vom Drohnenangriff atomisierter Körper wieder. Mit seiner Selbstverteidigungstaschenlampe in der Form eines Baseballschlägers leuchtete er den Himmel ab. Die angeblich superhellen LEDs reichten indes nicht mal aus, um bis in die Wolken zu leuchten, geschweige denn, versteckte Flugobjekte ausfindig zu machen. Also richtete er den Strahl auf den Boden vor seinen Füßen. Im braunen Gras des Vorjahres glitzerten irre schön die Eiskristalle, da kam kein Sternenhimmel mit, so weiß, so klar, so kalt wirkte das. Er mochte die Kälte, sie durfte ruhig beißen, er biss dagegen an. Alte Fuß- oder Reifenspuren waren gefroren und machten es ihm schwer, sein Tempo beizubehalten. Möglicherweise waren es seine eigenen Fußabdrücke und er lief genau da, wo er schon einmal entlang gelaufen war, und berührte den Boden nur quasi.

Nach wenigen Schritten bereits hörte das offene Gelände auf, es kam eine Zone mit Gestrüpp und kleinen, überwachsenen Müllbergen, meistens Bauschutt und Ähnliches. Sein Vater hatte ihm erzählt, dass die Vierweger früher alles Mögliche auf das Gelände gebracht hatten, auch Autobatterien und Kanister voll Altöl. Auf die wilde Kippe folgte ein dichtes Tannenwäldchen, in dem man sich sehr vor dürren Ästen in Acht nehmen musste; dahinter standen, wie er wusste, auf einem Streifen hohe Tannen vor einem Zaun des Schrebergartengeländes. Hielt man sich mehr links, kam man allerdings schnell auf einen frisch gewalzten Weg. Das Ganze einen Wald zu nennen (oder ein „Holz“, was angeblich dasselbe bedeutete), war offen gesagt Quatsch.

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