Spielfigur: Kapitel schreiben II

Eine neunte Klasse der Joseph-von-Fraunhofer-Realschule gestaltet mit an der Erzählung. Unter der Anleitung ihrer Deutschlehrerin und in Begleitung von Thomas Lang bekommen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Unterrichts regelmäßig Arbeitsaufträge und Schreibaufgaben, die in die Konzeption und Gestaltung der Geschichte einfließen. Im Unterricht ging es zuletzt um das Thema „Weiterführende Erzählung“: Am Beispiel des fünften Kapitels Die Nudel haben die Schülerinnen und Schüler literarisches Schreiben einmal selbst ausprobiert.

Noodle by ashleigh290, flickr, CC BY 2.0

Die Verkäuferin schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Kunden dürfen die Modelle nicht ausprobieren.“ Junis setze einen genervten Blick auf und knallte den Heli zurück an seinen Platz. Shit, so hart wollte er ihn eigentlich nicht abstellen. Ach, egal. Er richtete sich auf und steckte seine Hände in die Hosentaschen. „Haben Sie die langen Schwimmdinger? Diese Nudeln?“ Er konnte sehen, wie in den Augen der Verkäuferin Freude aufkam, als er ihr die Chance gab, ihn zu bedienen. Es ärgerte ihn umso mehr. „Ja, wir führen Schwimmnudeln. Komm mit.“ Der fehlende Respekt regte ihn auch auf. Dass sie so tat als wäre er ein Kind. „Was ist denn deine Lieblingsfarbe? Dann bringe ich dir eine.“ Ihre Stimme klang mütterlich. Jetzt platzte Junis der Kragen. „Scheißen Sie doch auf meine Lieblingsfarbe! Sehe ich so aus als bräuchte ich eine Schwimmnudel? Und verdammt, ich bin kein Kind mehr!“ Die Verkäuferin wich erschrocken einen kleinen Schritt zurück. Auf einmal wurde ihm viel zu warm in diesem Laden. Als würde er gleich explodieren oder so. Die Freundlichkeit in dem Gesicht der Verkäuferin verschwand langsam und wurde zu Wut. „Hören Sie mal, junger Mann…“ Immerhin, jetzt siezte sie ihn. „Was?“, brüllte er sie an. Er zog sich seine Jacke fester um die Schultern und bewegte sich Richtung Ladenausgang, vorbei an den angebotenen Spielsachen. Scheiß auf die Schwimmnudel! Als er zur Tür kam, hörte er die alte Schachtel hinter sich rufen: „Raus aus meinem Laden!“ Er lächelte in sich hinein. Offenbar hatte sie sich wieder gefasst und versuchte jetzt, nicht vollkommen lächerlich auszusehen. Junis jedenfalls fühlte sich schon viel besser.

Linda 9f

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