Spielfigur Wunsiedel: Nudelszene

Neben der Joseph-von-Fraunhofer-Realschule in München wird sich in Kürze noch eine weitere Klasse im Rahmen der Kategorie Spielfigur am Netzroman beteiligen, die 10e des Luisenburg-Gymnasiums in Wunsiedel. Zur Vorbereitung haben die Schülerinnen und Schüler bereits eigene Versionen der „Nudelszene“ und  der „Schulszene“ erarbeitet.

Während die alte mürrische Verkäuferin die Tierchen weiterhin der Größe und dem Herkunftsland nach sortierte und der Frage von Junis keine Beachtung schenkte, machte er auf sich aufmerksam, indem der tollpatschige Jugendliche sich beim Benutzen der Nudeln dämlich stellte.

Die Atmosphäre zwischen der Verkäuferin und Junis war längst nicht mehr von der Sympathie und der Euphorie geprägt, stattdessen lag ein Hauch von Wut in der Luft.

Diese Wut wurde von der Alten ausgestrahlt, als sie den Tornado in die Kammer zurückstellte, die Arbeitskleidung wieder herrichtete und sich auf dem Weg machte, um Junis, der bereits am Verzweifeln war, zu helfen.

Dieser stand immer noch teils fragend und teils frustriert vor dem Regal des Schwimmzubehörs.

„Wie alt ist denn deine Schwester?“, fragte die genervte alte Verkäuferin plötzlich.

„Sie wird dieses Jahr sechs und ich soll ihr das Schwimmen beibringen“, teilte Junis ganz locker mit, während er darauf achtete, dass er sich auch ja glaubwürdig anhörte.

Die Verkäuferin betrachtete ihn einen kurzen Moment lang mürrisch und skeptisch, ehe sie eine rosa Nudel, die in etwa so groß wie Junis war, aus dem Regal herausnahm.

Noch bevor die alte Frau ihm die Schwimmnudel überreichen und dann endlich Feierabend machen konnte, bat Junis sie, ob sie ihm möglicherweise demonstrieren könnte, wie man solch eine gewöhnliche Nudel richtig verwendet.

Die Verkäuferin ließ sich zwar nichts anmerken, doch Junis spürte, dass sie ihm nach dieser Bitte auf die Schliche gekommen war. Dennoch versuchte die alte Dame dem Kleinen mit ihrem Fachwissen zu zeigen, wie man eine gewöhnliche Schwimmnudel verwendete, indem sie die rosa Nudel als Erstes relativ eng zwischen ihre beiden Arme nahm. Dies fand Junis sowohl amüsant als auch teilweise verstörend, denn es schien so, als würde die Schwimmnudel die Verkäuferin von hinten umarmen, was ihr mit Altersflecken bedecktes Dekolleté arg betonte. Das hatte zur Folge, dass Junis seinen Blick von ihrem tiefen Ausschnitt nicht mehr lösen konnte und einen bösen Blick der Verkäuferin kassierte.

Sie demonstrierte, nachdem sie ausführlich erklärt hatte, wozu diese Übung diente, eine weitere Stellung, indem sie die Schwimmnudel zwischen ihre Beine steckte. Dabei stellte sie sich schulterbreit hin, um die Nudel besser halten zu können.

Die dezent rosa Schwimmnudel wurde nun mit ihren beiden Händen am oberen Ende gehalten, dabei dachte sich Junis, dass er diese Haltung nicht nur als albern und unangenehm empfand, sondern dass dies auch nichts bringen würde. Schließlich würde er diese Stellung niemals in der Öffentlichkeit ausüben.

Junis bemerkte nicht einmal, was die Verkäuferin von sich gab, da er sie wieder anstarrte. Dabei verlor er sich mal wieder in seinen Gedanken und spürte aufgrunddessen ein Erröten und Erhitzen in seinem Gesicht.

Dies konnte die Alte zum Glück nicht bemerken, da sie zu beschäftigt war, ihr Fachwissen kompetent zu demonstrieren und es in diesem stickigen und kleinen Geschäft eh kaum Licht gab.

Nach gefühlten Stunden und weiteren Stellungen war Junis von seinem Leid erlöst, da die alte Verkäuferin mit ihrer Demonstration fertig war.

Junis bedankte sich vielmals bei ihr, nahm die rosa Nudel, drückte ihr das Geld passend in die Hand und verschwand aus dem Laden.

Mit seiner rosa Schwimmnudel machte er sich auf dem Weg nach Hause.

Ein Gedanke zu „Spielfigur Wunsiedel: Nudelszene“

  1. 1
    Hanni Fallada says:

    Klasse, richtig witzig, echte Jugendliteratur von Jugendlichen. Mir gefällt, das der bis jetzt von mir gefühlte, anhaltende, düster Grundton mal etwas aufgelockert wird.

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