Spielfigur Wunsiedel: Schulszene (3)

„Und meine neue Jacke ist von Prada“, erzählt Corinna soeben ihrer Clique. Jeden Montagmorgen dasselbe. Ihre Gefolgschaft himmelt sie an. Da sieht man mal wieder, dass Geld doch die Welt regiert. Corinna hat Geld, mehr als genug, und wird in unserer Klasse, sogar in der ganzen Schule beachtet und alle reden über sie. Was sie anhat, wo sie am Wochenende war und, das Wichtigste, mit wem. Wenn sie etwas haben möchte, bekommt sie es auch. Auch wenn ihre Eltern nachhelfen müssen.

Die Streberfraktion hockt schon auf ihren Plätzen und alle sind in ein Buch vertieft. Herr Denner kommt gerade in das Klassenzimmer, das für unsere Klassengröße eigentlich viel zu klein ist. So gut wie niemand beachtet ihn. Die Wenigen, die gemerkt haben, dass er das Klassenzimmer betreten hat, setzten sich auf ihren Platz. Die Streber auf die ersten zwei Reihen verteilt, dahinter die Clique von Corinna und ganz hinten die „coolen“ Kids der Klasse, Klassenclowns und die, die sich herzlich wenig für Schule interessieren.

Da steht er nun in seinem dunkelblauen Adidas-Trainingsanzug, die blonden Haare verwuschelt, als wäre er eben erst aus dem Bett aufgestanden, und wartet, bis die Klasse ruhiger wird – vergebens. „Guten Morgen, Klasse“, sagt er mit sehr lauter Stimme. Nun haben auch die Letzten bemerkt, dass der Lehrer anwesend ist, und werden etwas ruhiger. „Wo sind Tim, Jonas und Marc?“, fragt er, als er in die Runde schaut, um die Anwesenheit zu kontrollieren. „Ich glaube, Jonas und Marc haben verschlafen und Tim kommt später, weil er bei seiner Freundin übernachtet hat.“, antwortet Dominik, der vierte der „Boys“. „Sie wissen schon. Kann dann morgens etwas länger dauern“, fügte er grinsend hinzu. „Das bezweifle ich“, lachte Corinna. – „Ehm ja. Na gut. Wir beginnen mit dem Unterricht. Schlagt bitte eure Bücher auf Seite 58 auf“, fährt Denner fort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.