Über den Schreibprozess (IV)

Liebe User,

ihr habt nach meinem Schreibprozess gefragt. Ich spüre häufig erst einmal einer Idee nach, sammle Gedanken oder Notizen, schreibe eine Skizze. Die eigentliche Arbeit an einem langen Text kann unterschiedlich verlaufen. Im Grunde ist es aber eine Suchbewegung. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Geschichte genügend Gewicht für die Romanstrecke hat, setze ich mich eingehender damit auseinander. Zu Figuren, Setting, Motiven sammle ich Ideen und versuche sie stringent zu entwickeln, wie auch hier geschehen. Dennoch halte ich mir den Weg für Änderungen frei. Ich habe gelegentlich auch schon geplottet oder besser gesagt einen Verlauf geplant, aber die guten Ideen habe ich meistens spontan. Ich bewege das Material in mir, das läuft so mit.

Der Text entsteht im Moment, und er überrascht mich oft selbst. Wenn ich etwa an Elle denke, habe ich natürlich bestimmte psychologische Ideen und Erfahrungen, ein Konzept, auf das ich zurückgreife. Aber es gibt da eine Eigendynamik, die Bilder kommen häufig erst beim Schreiben und sie verändern meine meist diffusen Ideen davon, wie es weitergehen soll. Das runde Fenster in Madlens Haus oder das Huhn, das Valentin pflegt, so was kommt spontan und es kann den Textverlauf stark beeinflussen. Andererseits haben wir beim gefundenen Tod ja Vorgaben – dass es auf die Party und den Leichenfund zutreibt und dass es in dieser Geschichte ein Vorher und ein Nachher gibt.

Völlig neu für mich ist, mich anderen Gedanken und Ideen bei der Arbeit zu öffnen und, wie im zweiten Teil der „Nudel“, daraus sogar ganz konkret etwas zu machen. Auch wenn ich nicht glaube, dass ein geschlossener und innerlich kohärenter Text entstehen kann, wenn einfach mehrere Leute Teile davon schreiben, verändert unsere Zusammenarbeit den Prozess, ich denke über andere Dinge nach, werde aufmerksamer und manchmal bescheidener. Aber es ist noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Ich kann nur wiederholen, dass beim Netzroman nichts in Stein gemeißelt ist, es ist echte Werkstatt, auch wenn ich schon länger über diese Geschichte nachdenke, und abgesehen von ihrem Kern steht im Grunde alles zur Disposition.

2 Gedanken zu „Über den Schreibprozess (IV)“

  1. 1
    Anselm says:

    Was heißt das z.B. konkret für den Netzroman? Gibt es einen Plot, der das Ende schon einschließt? Über die Rahmenhandlung erfährt man ja bisher recht wenig. Und habent sich im Verlauf der bisherigen Kapitel schon grundlegendere Änderungen zum ursprünglichen gegeben?

  2. 2
    Thomas says:

    Ich habe mal versucht, ein Treatment zu schreiben, aber es ist schwach. Bis jetzt stelle ich mir vor, dass die Handlung der gegebenen Geschichte folgt, also die Entdeckung der Leiche, das Aufsehen, dass Elle schließlich zur Polizei geht und die Clique damit sprengt. Am Ende würde das Gerichtsurteil stehen, doch ich glaube nicht, dass ich eine Verhandlung schildern will oder ähnliches. Über die Rahmenebene werde ich mal einen Post machen. Und geändert hat sich an dem Geschriebenen bisher nicht viel, weil es derzeit besser ist, im Text fotzuschreiten.

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